Beitrag 
Ein Blick auf die bevorstehende Campagne.
Seite
312
Einzelbild herunterladen
 

312

Polen als seine Hauptaufgabe übernehmen würde, haben die neuesten auS Paris hier eingegangenen Nachrichten, die den Entschluß des Kaisers Napo­leon III. mittheilen, eine Armee von 200,000 Mann Franzosen in Bulgarien zusammenzuziehen, einige Aussichten erweckt. Ich enthalte mich einer Er­örterung der auf dem südrussischen Kriegstheater zu gewärtigenden Operationen aber um so eher, als ich dieselben mehre Male in meinen an Ihre geschätzten Blätter gerichteten Briefen zum Gegenstand der Besprechung gemacht habe.

Korrespondenzen.

Aus Konstantmopel. 30. April. Ich habe Ihnen drei Punkte namhaft zu machen, um welche sich hier augenblicklich die Gespräche drehen: die Ankunft des Kaisers Napoleon III., der man nach wie vor mit Bestimmtheit und zwar zur zweiten Hälfte des Mai entgegensieht, die Ausstellung einer enormen französischen Armee im Belaufe von beinahe 200,000 Mann zwischen der Donau und dem Balkan, also in Bulgarien und die Bedrohung Eupatorias durch einen erneuerten russischen Angriff. Ueber letzteres Erciguiß weiß man hier bestimmt nur soviel, daß Omcr Pascha am 22., nachdem seine Truppen den ganzen Tag über in der Um­gegend von Balaklava mauövrirt hatte», eiue Depesche erhielt, nach deren Kennt- nißnahmc er sich für die sofortige Einschiffung seiner zwei Divisionen entschied und dieselbe noch in der darauf folgenden Nacht bewirken ließ. Man führt an, daß die gcsammten osmanischen Truppen, welche bei Balaklava standen, am 23. Morgens auf fünf, großen Dampfsrcgattcn nach Eupatoria abgegangen seien. (Diese An­gabe scheint mir falsch, indem fünf Fahrzeuge nicht zwei Divisionen aufnehmen können.)

In Hinsicht auf die Concentrirnng der besagten 200,000 Mann Franzosen in der europäischen Türkei bemerkt das Journal dc Konstantinople, daß man in Varua Ordre erhalten habe, sich aus die Verpflegung von 23,000 Stück Cavalcrie- und Artillcriepferden einzurichten. Man weiß nicht, ob die hier bei Maslack sich sam­melnde Armee eiuen integrircnden Theil jenes großen Heeres ausmachen, oder ob sie eiue gesonderte Bestimmung erhalten wird.

Was man hier von sonstigen Kricgsvorbereituugcu wahrnimmt, deutet darauf hin, daß man fortwährend mit der Organisation der ArmeetraiuS beschäftigt ist. Lauge Züge von Packpferdcn bcwcgeu sich täglich durch die Straßen uud wie es scheint wird nur ein Theil derselben für die Krim eingeschifft, während ein andrer Theil auf dem Landwege nach Bulgarien zieht.

Die Witterung war in den letzten Tagen anhaltend ranh lind stürmisch. Heute endlich ist das Wetter umgeschlagen und wir haben bei wolkenfreiem Himmel einen kleinen Vorgeschmack der kommenden Sommcrwärme erhalten. Noch ist der Boden tief hin aufgeweicht, aber zwei Tage siud hier hiureichend, um alles abtrocknen zu lassen und sogar die kleinen Bäche versiegen zu machen, die eine Woche hindurch