Aestheüsche Feldznge.
Vom Musikalisch-Schönen. Ein Beitrag zur Revision der Aesthetik der Tonkunst. Von 0--. Eduard Hanslick. Leipzig, T. Wcigel. 183i. —
Es ist in diesen Blättern bereits in einer kurzen Notiz auf die vorliegende Schrift hingewiesen, wir glauben aber noch einmal ausführlicher daraus zurückkommen zu müssen, da sie bei weitem eine größere Beachtung verdient, als sie bisher gefunden zu haben scheint. In der Musik thut es vor allen Dingen noth, die unklaren Bestimmungen der bisherigen Tonlehre durch festere Begriffe zu ersetzen. In. allen übrigen Künsten ist darin schon viel geleistet worden, vor allem in der Poesie, aber auch in der Plastik, weil hier ein greifbarer Gegenstand vorhanden ist, an den sich Reflexionen jeder Art leicht anknüpfen lassen. Fast jeder Philosoph und Kritiker, der ein Lehrbuch der Aesthetik schrieb, hatte sich über die bildende Kunst wenigstens einige nothdürftige Begriffe erworben; in Beziehung auf die Musik fühlt man fast allgemein heraus, daß ein eingehendes Verständniß mangelt: weder in Hegel, noch in Bischer würde der Tonkünstler für die Erweiterung und Aufklärung seiner Begriffe fördernde Lehrsätze finden. Auf der, andern Seite gibt sich ein gebildeter Musiker nicht leicht dazu her, philosophische Abhandlungen zu schreiben. Wenn er einmal aus seiner productiven oder reproduktiven Thätigkeit herausgeht, so geschieht es nur, um für den einzelnen Fall einen Einfluß auf das Urtheil der Menge zu gewinnen.
Der Verfasser der vorliegenden Schrift hat nun den großen Vorzug, beide Voraussetzungen der Kunsttheorie zu vereinigen; er hat eine reife technische Durchbildung und zugleich eine ungewöhnliche philosophische Einsicht. Schon durch seine klare, gebildete Form macht das Werk einen wohlthuenden Eindruck, noch mehr durch den Reichthum seines Inhalts. In den einzelnen Ausführungen wird man belehrt und im Ganzen hat man das Gefühl, mit dem Verfasser in allen wesentlichen Punkten übereinzustimmen. Wenn trotzdem manche einzelne Bemerkungen einen befremdenden Eindruck machen, ja sich dem gewöhnlichsten Verstand als durchaus irrig und verfehlt augenblicklich darstellen, so hat das einen doppelten Grund.
Grenzboten. II. -1863. > 26