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Ein Gang durch dns Zellengefnngniß bei Berlin.
Auf dem Wege zwischen Berlin und dem früher sehr beliebten Bergnü- gungsortc Moäbit erhebt sich seit einigen Jahren ein Gebäude, aus rothem Ziegelstein kastellartig aufgeführt, das man geneigt wäre, für eine der vielen Berliner Kasernen zu halten, wenn nicht an den nach außen gebenden Fenstern weiße Gardinen und blühende Blumentöpfe die Anwesenheit weiblicher Wesen verriethen. Diese freundlichen Zeichen verschwinden jedoch, sobald man das Hauptthor passirt hat, man merkt alsbald, daß man sich in einem Gesängnisse befindet und daß nur die Familien der Beamten den von ihnen bewohnten Flügeln einen gemüthlichen Anstrich zu geben wußten. Das eigentliche Gefängniß betritt man erst, nachdem man einen kleinen Hof überschritten; denn das Gebäude ist sternförmig aufgeführt, so daß vom Mittelpunkte aus vier Flügel sich erstrecken, die vier Höfe bilden (auf deren einem auch der Hinrichtungsplatz sich befindet). Das Ganze ist von einer Ringmauer umschlossen, und erst außerhalb derselben befinden sich die Beamtenwohnungen. Ferner hat es an der Nordseite noch einen Vorbau, der die Kirche und mehre Geschäftsräume enthält, Ein dunkler Gang, zu dessen beiden Seiten Thüren nach den erwähnten Räumen führen, geht hindurch und durch ihn gelangt man unmittelbar in deu Miltelraum des Gefängnisses, ver, die Höhe des ganzen Gebäudes einnehmend und mit einer Glaskuppel gedeckt, einen hellen, freundlichen Eindruck macht. Von hier aus erstrecken sich die erwähnten vier Flügel, alle gleich lang nnd breit, ebenfalls durch die ganze Hohe gehend und mit Glas gedeckt. Sie enthalten im Erdgeschoß, im ersten und zweiten Stock die Zellen, fünfhundert und einige dreißig an der Zahl, deren Thüren man also sämmtlich (was fast unglaublich klingt) mit einem Blicke übersehen kann. Der Raum in der Mitte ist srei, allein vor den Thüren der oberen Stockwerke laufen Gänge, von Eisenguß und mit Pfeilern von demselben Metall in der Wand befestigt, die mit Schieserplatten gedeckt und mit eisernen Galerien versehen sind. Die Zellenreihen des untersten Geschosses haben zwischen sich nur den braun gebohnten Gang, der etwa zehn Fuß breit ist. Diese, Gänge münden alle in dem Mittelraum zusammen, wo die oberen Stockwerke mit den unteren durch gewundene eiserne Treppen verbunden sind. Da am anderen Ende der Gänge keine Thüren, sondern nur stark vergitterte Fenster sich befinden, so ist nicht nur jede Flucht unmöglich, sondern man würde auch von der Mitte aus jede Zellenthür beobachten können, die sich öffnet.
Das erste, was dem Eintretenden auffällt, ist die spiegelblanke Sauberkeit, die in diesen Räumen herrscht. Der braun gebohnte Boden des unteren Geschosses ist in der Mitte mit weißen Strohmatten belegt und so glänzend, wie