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Der Mormonenstaat Deseret. 2.
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Der Mormonenstaat Deseret.

Die Grundlage des Glaubens der Mormonen, ans den wir jetzt einen Blick thun, besteht zunächst in der Bibel, dem Buche Mormon und dem Buche der Lehre und der Bündnisse. Da sie aber eine fortdauernde Offenbarung des Willens und der Weisheit Gottes durch das Mittel ihres Sehers und Kirchen­hauptes annehmen, so ist ihre Dogmatik nur eine provisorische, und die folgende Darstellung gibt deshalb nur einen Neberblick über den Glauben der Sekte, wie er bis heute ausgebildet ist.

Ist der Staat der Mormonen, wie später zu zeigen sein wird, eine Theodemokratie, so ist ihre Religion nicht wol anders als durch eine andre Contradictio in Adjecto, nämlich durch die Bezeichnung Mono-Polytheismus zu beschreiben. Man wende nicht ein, daß dies ein Unding fei, im Reiche der Willkür und der Wunder hat der Verstand kein Recht, und das Wunder besteht ja eben darin, daß ein Widerspruch kein Widerspruch ist. Wir schöpfen im Folgenden vorzüglich aus den Schriften Orson Pratts, des angesehensten Dogmatikers der Sekte.

Die Welt wird nach den neuesten Offenbarungen von einem Haupt- oder Urgotte regiert, welcher inmitten des Universums auf dem Planeten Kolob thront. Dieser Urgott ist auf geheimnißvolle Weise aus den beiden durch sich selbst eristirenden, Principien der Intelligenz und der Materie entstanden. Das erste, das er that, war, daß er ein Grundgesetz aufstellte, zu dessen Bestimmungen es gehörte, daß eine Verschiedenheit der Geschlechter sei. Nach dieser Bestim­mung gingen aus ihm andre Götter theils als Söhne, theils als Töchter hervor, um wieder andre Götter männlichen und weiblichen Geschlechts zu erzeugen. Jedem Gotte ist eine bestimmte Sphäre oder, um deutlicher zu reden, ein be­stimmter Stern oder Planet angewiesen, den er zu beherrschen und zu be­völkern hat. Ist ein Weltkörper in dem Grade mit den Kindern des Gottes angefüllt, daß er sie nicht mehr bergen und nähren kann, so schafft er einen neuen Stern, nach welchem die Geister der jungen Götter als Bewohner ge­sendet werden. Diese verehren dann, das Bewußtsein ihrer Göttlichkeit mit Grcnzbote». II. I8llll. 11