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So waren Oestreich und Preußen dnrch die zartesten und durch die stärksten Fäden zugleich "an Rußland geknüpft. Diese hat nun eiuc höhere Macht gewaltsam zerrissen; Oestreich steht frei von persönlichen Verpflichtungen und kann ferner nur seine selbständigen eignen Interessen, unbeirrt von gemüthlichen und traditionelle» Beziehungen, im Auge haben. Selbst im Verhältnisse unsres energischen Monarchen zu dem neuen Souverän der nordischen Macht wird sich dies fühlbar machen. Die Art. väterlicher Ueberordnung, zn welcher sich der Zeitgenosse und intimste Alliirtc Franz I. gegenüber dem jugendlichen Herrscher unsres Reiches für berechtigt hielt, ist nun gebrochen. Mit voller Priorität, ja mit dem Bewußtsein schon vollbrachter Thaten und in schweren Tagen geprüfter Einsicht tritt nun unser Monarch dem russischen Thronerben entgegen, und wenn der sreundscbastliche Rath Oestreichs während der letzten Jahre in Petersburg iu ironischer Weise abgelehnt wurde, so dürste er sich jetzt mit um so größerm Nachdruck geltendmachcn können.
In dieser Weise wird in den weiter blickenden Kreisen unsrer Diplomatie das große Ereigniß des Tages aufgefaßt und- die heilbringenden Folgen desselben für die Gestaltung des Weltfriedens und der zukünftigen Machtstellung Oestreichs treten bereits in den Vordergrund der Discnssion.
Wissenschaft und Kunst.
Als eine der vortrefflichsten Leistnugen von Berlinern Künstlern seit langer Zeit muß ich Ihnen I. Schraders „Miltvn dictirt seinen Töchtern das Verlorne Paradies" erwähucu. Es ist bekannt, daß Milton nach der Ncstanrativn von aller politischen Thätigkeit entfernt in stiller Zurnckgczogcnheit aus einem entlegenen Landsitz seine letzten Tage verbrachte. Hier dichtete er sein „Verlornes Paradies", das er, im Alter erblindet, seinen Töchtern dictirte. So sehen wir ihn hier in poetischer Erregung innerlich concipirte Worte gebend, welche die jüngste vor ihm stehende Tochter an des Vaters Muude hangend niederschreibt. Weiter zurück neben der jüngsten die älteste Tochter unter Folianten sitzend — es war ihr Geschäft, dem Vater ans diesem.oder jenem Buch die etwa,verlangten Stellen nachzuschlagen — die dritte Tochter eudlich, die durch Musik den ausruhenden Milton zu unterhalten pflegte, hinter dem Vater, auf die Lehne seines Sessels gestützt, mit der Lanle im Arm.
Um von Miltvn selbst zu reden, sv muß ich gestehen, daß ich ihn vollkommen finde, denn in dem geistreich belebten Ausdruck des uach oben gerichteten Antlitzes, der begleitenden Bewegung der.rechten Hand und des vorgebeugten Körpers ist neben dem Ausdruck geistigen Schaffens die sast ungeschickte Unsicherheit der Blindheit so entschieden und doch so sein (nicht im mindesten störend) ausgedrückt, daß ich bekennen muß, es mir nicht vortrefflicher denken zn können. Und so nehmen auch die Töchter jede iu ihrer Weise theil. Die jüngste, noch kaum erwachsene, mit gespannter Aufmerksamkeit, der ein seiner Zusatz von kindlicher Zärtlichkeit gegeben ist, die gesprochenen Worte des Vaters erwartend; welche die älteste, das Haupt aus die Hand gestützt, am tiefsten ersaßt und begreift, während die ^mittlere', musika-