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Londoner Brief.
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hat. Eine Kugel riß ihm das Bein ab, nachdem sie den Bauch eines vor ihm stehenden Pferdes aufgeschlitzt hatte. Will jemand von den Herren so freundlich sein, sprach er zu seiner Umgebung, mich aus dem Sattel zu heben? Der alte Herr sprachs mit einem Tone, mit einer Miene, wie unsereins den Nachbar um eine Zeitung bittet. Zwei Stunden später war er todt. Dieser äailinx olä man wird sehr von der Armee betrauert, und wenn die Kaffern nur erst, aus den Grenzboten erfahren, daß ihr Erzfeind Cathcart todt ist, wer­den sie endlose Freudenburzelbäume schlagen am romantischen Fischfluß. Seine letzten Worte waren: Gott sei Dank, so sterbe ich doch wenigstens einen Soldatentod. Wenn man solche Dinge liest, kommt einem das Sterben auf dem Schlachtfelde allerdings sehrgenteel" vor, jedenfalls weni­ger langweilig als der gepriesene Tod im Bett, mitten unter Medizinflaschen und heulenden Mägden.

Wochenbericht.

Aus Berlin. Meine Absicht war, die wichtigsten Gegenstände namhaft zu machen, mit denen sich die Kammern in der bevorstehenden Session beschäftigen werden. Sie würden ohne Zweifel ein lebhaftes Interesse erregen, wenn jetzt nicht an andren und entscheidenderen Stellen anch über das Schicksal Preußens die Würfel fielen: aber da Preußen bei der europäischen Krisis immer ein bedeutendes Object bildet, wenn nicht activ, so doch passiv, scheint mir jeder Lichtreflcx ans die eigenthümliche Stellung uusrer Rcgicruug auch für einen NichtPreußen ein gewisses Interesse zu besitzen, und ich wüßte nicht, was in die Regierungsansichten über den Ernst der großen europäischen Frage einen so tiefen Blick eröffnete, als das En­semble der Projecte, für welche sie jetzt die Zustimmung der Kammern einzuholen sich bemüßigt sieht. Daß die Gcmeindcgesetzgcbung von ncnem eine bedeutende Rolle spielen wird, erwähne ich nur beiläufig: wcun unsere Zeit überhaupt keinen Beruf zur Gesetzgebung hat, so lehrt die Erfahrung der letzten Jahre, daß sie auf dem Gebiete des Communallebens gradezu das Talent des Zerstörens besitzt, und es ist mein aufrichtiger Wunsch, daß auch in dieser Session keine ländliche Ge- mcindeordnung zustaudekommcn möge, damit die rohen uud primitiven Zustände communalcr Sclbstständigkeit, die durch gesetzliche Regelung Schwung und Kraft zu erhalten verdienten, wenigstens so wie sie sind, erhalten, nicht aber durch den Geist des Polizciregiments für alle Zukunft zerstört werden; um wirkliche Communal- ordnungen zu schaffen, sehlt hüben und drüben der Muth znr Freiheit.

Unter den uencn Gegenständen, welche die Aufmerksamkeit der Kammern in Anspruch nehmen werden, steht in erster Linie das Wahlgesetz für die zweite Kam­mer. Vei Berathung des Pairie-Gesetzcs wurde, wie es Ihren Lesern erinnerlich sein wird, von der Opposition gegen die Behauptung, daß uusre Vcrsassuugskrisis durch die Gcnehmiguug eines solchen Gesetzes einen Abschluß finden werde, die triftige Einwendung erhoben, daß nach Bildung einer Pairie die zweite Kammer