Beitrag 
Literaturgeschichte.
Seite
302
Einzelbild herunterladen
 

302

da wir seine Werke nicht kennen, und da uns die mitgetheilten Proben auch keine Vorstellung davon geben. Die größte Begeisterung spricht die Ver­fasserin für Hermann Marggraf aus, von dem sie sagt, er habe sich als lyrischer und dramatischer Dichter, als Novellist und Kritiker gleichmäßig ausgezeichnet, und bei seinem außerordentlichen Talent und Geschmack seine Mission vollkommen begriffen. Sie scheint diesen Dichter ziemlich genau studirt zu haben; sie weiß sogar, was er als Student sür Empfindungen bei den , Vorlesungen von Steffens gehabt hat/ „Er war mit Fähigkeiten von einer zu erhabenen Natur begabt, um von einer Philosophie angezogen zu werden, welche u, s. w." —

Unter den neuen literarhistorischen Erscheinungen des Auslandes führen wir an: Ilistolis clv8 I>ivres ?opulairss, orr <Z<z 1a LMveaturö du Oolporta^e, cZsMis 1s XVe Lic-Lls jusqu/a 1'KtabIiss<zm<znt 1a Oommlssion ä'IZxamon clös l.ivres clu LolporlaAc:. enaelc-s Msarä. 2 Vol. ?aris. —

Plaudereien aus Wien.

Das Wetter ist rauh und trübe, alles so winterlich und doch noch kein Schnee auf den Dachern und keine rechte Ofenwärme in den Stuben; im Ge­müth entblätterte Herbstfreuden und im Unterleib flüsternde Choleragedanken; der Kopf von russischen Sicgesdepeschen durchschwirrt, Sebastopol müde, Krim beladen, Valuta zitternd, groß-klein-mittelstaatliche Einigung suchend, West- mächtlich bedrängt, russischen Garden bedroht, Preußisch ncutralisirt, Spanisch getanzt, Chinesisch jongleurt, Vater Ebersberg, imser Großrusse, todt und Maler Nanftel an einer Wurst gestorben! — Hier haben sie unsre ganze Tages- misere. Wie vieles und gewiß sehr geschcidtes hätte man mitzutheilen, wie gern möchte man ein Stündchen gemüthlich verplaudern -— wenn nur die rechte Stimmung dazu wäre! Aber ein solcher Winter, der ohne Rücksicht von An­stand den Herbst zur Treppe herabwirst und unangemeldet in jedermanns Stube hereinstürzt, und am Arme noch eine so widerliche Maitresse, wie Frau Cholera u'mherführt, ein solch ungeschlachter Winter, der sich weder durch Marie ,Taglionis süßes Mienenspiel noch durch der Sennoras Pepas und DoloreS warme Gelenksprache erweichen läßt, ein Winter voll kosackischer Tücke und orientalischer Verwesung, ein Protector der Leichenbitter und Todtengräber, ein erklärter Feind aller weltlichen Lust, ein Kriegsschürer und diplomatischer Knotenschürzer; ein solch erbärmlicher Winter ist noch nicht dagewesen. Gehen Sie durch unsre Staßen — wenn es der scharfe Wind oder der Regenschauer erlaubt — und Sie werden die Menschen theilnamlos, ja mit gewisser Scheu