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Pariser Brief.
Der Kaiser hat, wie vorauszusehen war, sich gedrungen gefühlt, im Moniteur zu erklären, daß die „timides conseils" im Briefe an die Wittwe des Marschalls St. Arnaud unbefugterweise ihre'Adresse in England gesucht hätten. Wenn aber der langverheißene Fall Sebastopols noch einige Zeit auf sich warten läßt, werden die furchtsamen Räthe vielleicht Anspruch auf die Weisheit von Propheten machen. Die politische Situation muß bald einen andern Schwerpunkt bekommen, die Lage in der Krim mag was immer für eine Wendung nehmen. Die Leidenschaften und Interessen, welche der Kampf des Ostens mit dem Westen aufgerüttelt hat, fangen an, sich geltendzumachen. Um von den deutschen Verhältnissen abzusehen, deren Beurtheilung Und Würdigung uns in diesem Augenblicke aus vielen Gründen schwer wird, wollen wir dem keimenden Conflict zwischen Frankreich und Amerika noch einige Betrachtungen weihen. Seit meinem letzten Berichte hat der hiesige amerikanische Gesandte seine Beschwerde gegen die Ausweisung Soulös vor dem Kaiser selbst angebracht. Herr Mason appellirte von der Erklärung Drouin de Lhuys und es gab eine lebhaftere Scene, als diplomatische Verhandlungen namentlich mit einem Monarchen zur Folge zu haben pflegen. Napoleon war in seiner Ausdrucksweise wie im Tone seiner Stimme lebendiger als er es bei solchen Gelegenheiten zu sein pflegt, und da der amerikanische Diplomat es für seine Pflicht hielt, nicht weniger entschieden sich zu geberden, wurde das Zwiegespräch so nachdrücklich, als es ohne Verletzung des Anstandes nur immer möglich ist. Der Kaiser überhörte die Forderung nach Genugthuung und zeigte sich so erbittert, daß Herr Mason sich zurückzog, indem er sich die Möglichkeit offen ließ, ohne weiteres jeden diplomatischen Verkehr mit Frankreich abzubrechen. Wie wir Ihnen schon mitgetheilt haben, dürfte der amerikanische Geschäftsträger die neuen Verhaltungsbefehle seiner Regierung abwarten, allein es ist auch möglich, daß man in Washington auf Schwierigkeiten mit dem Westen Europas bereits gesaßt war. Die Vertreter der amerikanischen Freistaaten in Europa behaupten wenigstens, daß sie das Wetter kommen sahen und die vielbesprochene Zusammenkunft in Ostende hatte nicht sowvl eine Besprechung der amerikanischen Diplomaten wegen Cuba zum Gegenstande, als eine Erwägung gewisser von Herrn Buchanan in London gemachter Erfahrungen. Ob die mehrfach behauptete Annäherung Rußlands an Amerika England wirklichen Grund zum Mißtrauen gegeben oder ob dieses Mißtrauen aus politischer Eifersucht entspringe oder von Berechnung politischer Wahrscheinlichkeiten herrühre, kann nicht mit Bestimmtheit angegeben werden — aber jenes Mißtrauen ist vorhanden und in Washington ist