UK
ihren Nichter hätten gezogen werden müssen. Es scheint also keine Gattung mißgcborner oder verwahrloster menschlicher Wesen zu geben, in denen das Licht des Unterrichts, der einfachen Unterweisung in sittlichen und vernunftgemäßen Begriffen solche Wunder zu wirken im Stande wäre, wie unter den Taubstummen. Unerzogen erhebt sich der Taubstumme kaum über die Rohheit thierischer Jnstincte, während die Erziehung ihn stets sanst und gelehrig stimmt, ohne daß die Welt ihm ihre Verführungen jemals so nahe zu rücken vermöchte, wie dem vollsinnigen Menschen. Abgesehen von seinem äußern Umfang ist daher der Taubstummenunterricht der wichtigste Zweig der gesammten öffentlichen Erziehung zu nennen. Er zählt nicht nur unter den edelsten Bestrebungen heutiger Humanität mit, sondern er gehört auch zu den Gegenständen, welche dn Staat nach einer klar gegebenen Pflicht in die Kreise seiner überlegenen, Thätigkeit zu ziehen hat.
Steht dieser Grundsatz einmal fest, so sind die Schwierigkeiten der Durchführung allesammt untergeordnet und leicht zu heben. Selbst wenn der Finanz- minister irgendeines deutschen Staats für alle bildungsfähige Taubstumme seines Landes die Unterhaltungskosten der Anstalt herbeischaffen sollte, würde er schwerlich sagen, das sei für ihn eine unerschwingliche Leistung. Die Zahl dieser Unglücklichen ist glücklicherweise überall so gering, daß ihre besser begabten Brüder sich um ihretwillen nicht grade in Schulden zu stürzen brauchen. Zunächst hat-allerdings die eigne Familie des Kindes, alsdann die Gemeinde die Mittel herzugeben. Aber wenn beider Kräfte nicht ausreichen, so wird es auch keinen deutschen Staat in finanzielle Verlegenheit setzen, hier aushelfend einzutreten. Es ist keine sehr beträchtliche Ausgabe, und doch vielleicht die lohnendste von allen in seinem Budget.
Wochenbericht.
Aus London, 7. October. — In den vier ersten Tagen dieser Woche war London berauscht durch die Nachricht vom Falle Sebastvpols, die ihm Buka- rcstcr und Wiener Depeschcnfabrikantcn mit großem Geschick und Nachdruck kredenzt hatten. Darauf folgte naturgemäß der Katzenjammer der Enttäuschung. Wir haben ihn alle verdient. An Mirakel darf heute zu Tage blos der Baier und der Neapolitaner glauben, und auch diese nur, wenn es ihnen von ihren Bischöfen geboten wird. Der Orient war von jeher das Land, von wo die Wnnder nach dem Westen cxportirt wurden, und dem protestantischen England ist nur der eine Trost geblieben, daß es dies Mal seine Gläubigkeit mit allen andern Consessivncn Europas theilte. Den Katzenjammer haben wir aber größtenthcils allein, denn die englischen Regimenter scheinen am meisten bei der Schlacht am Almaflnß gelitten zu haben. Nicht 14»v sondern über 2000 Engländer wurden getödtet oder verwundet, darunter eine