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Fahrt nach dem englischen Lager bei Skutari.
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bequemern Einschiffungspunkte marschirt, indem es anfangs ihre Bestimmung war, nebst achttausend Mann Infanterie nach Varna transpvrtirt zu werden. Das letzte Lager liegt in der Nähe deö Dorfes Kadiköj. Man rechnet, daß zwischen dieser Ortschaft und Skutari über 15,000 Mann vereinigt sind. Wei­tere 8000 Mann Engländer sollen in Gallipoli stehen und neuerdings hat man die Vermuthung aufgestellt: diese letztem seien für Varna bestimmt, wo­gegen die bei Skutari lagernde Masse zum Schutz Konstantinvpels zurückbleiben werde.

Die Sonne war über Mittag hinaus, als ich nach einer kurzen Rast in einem der Kaffeehäuser des erwähnten Dorfes mich in einem schlanken schnel­len Kaik zur Rückfahrt einschiffte. In Pera herrschte große Erregung. Man wollte wissen: Preußen sei definitiv auf Seite Nußlands getreten. Mit größ­ter Spannung sieht jedermann der nächsten Balkanpost entgegen.

Aus Berli n.

, Den 3. Juni.

Wenn man die dem Bundestage vorgelegte Erklärung Oestreichs und Preußens mit dem zwischen beiden Staaten abgeschlossenen Vertrage vergleicht, so sollte man meinen, daß die Ansichten der leitenden Kreise seit dem 20. April, wenn nicht einen vollständigen Umschwung erlitten, so doch in erstaunlicher Weise an Klarheit und Festigkeit gewonnen hätten. Aber soweit die preußische Re-, gierung dabei betheiligt ist, merkt man hier an Ort und Stelle davon nichts; es ist alles beim Alten geblieben, und der Contrast zwischen den beibe'n Acten­stücken muß auf gewöhnlichem Wege erklärt werden. Die Neutralitätspolitiker schauen nach Osten und Westen; in allen wirklich bedeutungsvollen Fragen wissen sie eine Entscheidung herbeizuführen, die ihren wirklichen Sympathien entspricht und ihren Wünschen den besten Erfolg sichert; während sie bei unter­geordneten Gegenständen auch dem Scheine des Gegentheils einen Platz gönnen. Die Mittheilung an den Bundestag hat nicht das Verpflichtende des Vertrags, und man scheint es nicht der Mühe für werth gehalten zu haben, sie durch zahllose Correcturen, Abschwächungen und Einschiebsel zu ver­unstalten; so ist uns ein Actenstück fast ganz aus einem Guß erhalten worden; nur das drittletzte Alinea trägt einen fremdartigen Stempel und ist etwas-un­geschickt in den strenglogischen Gang der Darstellung .eingefügt, wie es auch hinsichtlich des Ausdrucks mit einigen Nebelflecken behaftet ist. Aber im ganzen ist die Auseinandersetzung sachlich, klar, in sich zusammenhängend und in

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