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Wochenbericht.
Berlin, 1-1. April"). Als ich vor acht Tageil im Begriff war, Ihnen die letzte kaleidoskopische Gestaltung unserer Politik zu beschreiben, erfuhr ich, daß Herzog Georg von Mecklenburg aus St.' Petersburg hier eingetroffen sei — derselbe, der auch 1830 für russische Tendenzen an unserm Hofe wirkte und bei allen Mitgliedern des Fürstcncollegiums für dcu heftigsten und gefährlichsten Gegner der Union galt. Ich legte resignirt die Feder bei Seite, in der Erwartung, daß sich nun für einige Tage ein ganz neues Bild zeigen würde. Aber die Flüchtigkeit des neuen Phautasmas zeigte, daß Wallungen, wie die durch die Petersburger Botschaft angeregten, sich jetzt schon an der Stärke der Ereignisse machtlos brechen. Der General v. d. Gröben las freilich in der nächstfolgenden Konferenz mit dem Feldzeugmcistcr Heß ein Memoire vor, in dem er es als sonnenklar darzuthuu suchte, daß infolge der russischen Eröffnungen der Friede so sicher sei wie Amen in der Kirche; aber die Beweisführung war denn doch selbst für Herrn v. Manteuffel nicht vollkommen überzeugend, und allmälig begriffen die erleuchteten Politiker, daß der eigentliche Kern des Streits auch durch den Herzog Georg nicht beseitigt sei. Man hielt sich zwar für verpflichtet, die russischen Anträge den Westmächten zu empfehlen, aber sie haben keine weitere Folge gehabt, als daß einige schwammige Naturen für ein paar Tage den Thau der Friedcnshoffnung in sich sogen.
Unsere Lage ist demnach dieselbe wie vor vierzehn Tagen: wir haben, entrüstet über das Drängen der Westmächte, das für unsre Selbstständigkeit bedrohlich schien, diese dadurch iu unzweifelhafter Weise bekundet, daß wir uns von Oestreich ins Schlepptau nehmen ließen. Seitdem handelt es sich hier nur um die Bemühungen der Kreuzzeitungspartei, diese Situation auszubeuten, entweder das östreichische Staatsschiff in russisches Fahrwasser zu bugsiren, oder, wenn dort eine Wendung zum Anschluß an die Seemächte gemacht wird, die Fortbewegung möglichst zu hemmen. In dieser Beziehung gelang es, den wieder in Anregung gebrachten Abschluß einer Convention zwischen den vier Mächten zu hindern, und ihn durch die Unterzeichnung eines Protokolls zu ersetzen, das noch immer die Herstellung des Friedens als Zweck der vier Mächte bezeichnet. Daß ein solches Anerkennen des frühern Stand- Punktes von den Westmächten für ein wünschenswerthcs Ercigniß gehalten wird, zeigt uns deutlich, in welche Irrwege sich die preußische Politik inzwischen verloren hatte. Wenn die Krcuzzeitungspartci hier nur hemmcud und abschwächend einwirken konnte, hat sie bei den Verhandlungen, zu denen die Mission des FcldzeugmeisterS v. Heß Veranlassung gab, in positiver Weise für ihre Zwecke zu wirken gesucht. Es war nicht möglich, den General v. Gerlach von diesen Verhandlungen fernzuhalten, und der Graf v. d. Gröben, der ihnen ebenfalls beiwohnt, weiß zu genau, daß der Kaiser von Rußland den Frieden will, als daß seine Mitwirkung dem östreichischen Bevollmächtigte» erwünscht sein könnte. ^ Man erzählt, daß auch hier die Bemühungen, Oestreich zu einer Occnpativu Bosniens und Serbiens zu verleiten, fortgesetzt sind, obgleich, wie von der andern Seite ganz richtig entgegnet
*) Im vorigen Heft wegm Mangel an Raum zurückgeblieben.