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Aus Konstantinopel.
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landes den Brocken um das Doppelte. Die Natur wirkt nirgends mächtiger, als wo sie Contraste hervorzurufen vermag; daher der Zanber jener Berge und Fel­sen, die sich aus bebautem Thal, aus üppiger Ebene erheben.

Wir sehen die Sonne sich bereits senken, als unsere Führer uns den kleinen Palanga in der Ferne zeigten. Noch drei Viertelstunden und wir ritten in seine Straßen ein. Nach einer weitem halbe» Stunde saßen wir beim dampfenden, mit Pfeffer gewürzten Pillan im kleinen Zimmer eines Haus, welches als Aus­zeichnung vor manchen andern, die wir seither angetroffen, Fenster hatte.

Aus Konstantinopel.

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Den 22. März. '

Der Winter ist dahin und es wird bald Frühling sein! Das kündigt der seit einigen Tagen wärmere Sonnenschein an, daS frische Sprießen des Rasens rings auf den Höhen und Bergen, die lgne Luft nach all den Stürmen und scharfen Windstößen .ans Nord, endlich der lachende, blane, wolkenlose Himmel, der über Land und Meer in gleicher Reinheit sich ansbreittt. Freilich stehen die Bäume noch blätterlos; aber in den nach Süden hin gewendeten Schluchten und Thälern beginnt es bereits zu keimen, und Crocus und Schneeglöckchen und bunte Primeln schauen zum Berwundern keck und groß schon aus dem hochgeschossenen Grase hervor, uud drüben hinter Skutari, am Bulgurlnberge ist die weite Wiese blan gestickt von Millionen Veilchen! Das ist eine Regsamkeit iu der Vegetation^ ein Sprossen und Knospen wie man es bei uns nicht kennt; und mit einer sol­chen Schnelligkeit geht die Entwicklung vor sich, daß ich mich nicht wundern werde, wenn ich beim nächsten Ausflüge nach Bnjnkdere, an die südwärts ge­wendeten Ufer der Bai, welche in Hinsicht auf Frühreife im Pflauzenwüchs immer etwas vor der hiesigen nnmittelbaren Umgebung voraus haben, blühenden Jasmin und die langen Forste entlaug aufgeschossenen Jelängerjelieber vorfinde.

Die Bewohnerschaft von Pera ist ein vergnügungssüchtiges Völkchen. Die­ses Gemisch aus allen Nationalitäten mit starkem griechisch-armenischen Gruudtvu, w dessen Schoße die verschiedensten uud entgegengesetztesten Interessen sich kreuzen, empfindet sofort gemeinsam, wenn es sich darum handelt, diese oder jene Gelegenheit im Sinne des Gennsscs auszubeuten. Heute, als am Sonntag, und Zwar dem ersten warmen, sonnigen, den wir in diesem Jahre erlebten, war mehr "ls drei Viertel der Bewohnerschaft des Frantenqnartiers auf deu Füßen. Der Vormittag ist dem Kirchengehcn gewidmet, was mehr dazu benutzt wird, ^ seit den letzten Faschingsbällen wiederum modernisirten Garderoben im wett-