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Meyerbeers neue Oper : Pariser Brief.
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Meyerbeers neue Oper.

Pariser Brief.

Es gibt kaum ein Paar, das besser zusammenpaßte, als Scribe und Meyer- bcer. Der fruchtbare und erfindungsreiche Vaudvillist ist unter allen modernen Librettoschreibern der einzige, mit dem sich Meyerbeer verständigen kann. Die Entstehungsgeschichte der gegenwärtigen Oper ist ein neuer Beweis dafür. Meyer­beer hatte sein Feldlager von Schlesien im Portefeuille. Die Afrikanerin ist den reisenden Strahlen der Reclame noch nicht lange genug ausgesetzt gewesen und doch schien es an der Zeit, wieder mit einem neuen Werke hervorzutreten. Zu­dem mochte es Maestro Giacomo süudlich dünken, daß Paris, die Wiege der Meyer- beerschen Erfolge, hinter den deutschen Theatern, hinter Berlin und Wien zurück­bleiben sollte; er mußte seinem gedrückten Gewissen Luft macheu. Eines schönen Morgens sucht Pylades seinen Orest auf und klagt ihm seine Leiden. Eine preu­ßische Apotheose auf die Pariser Bühne zn bringen, das ging nimmermehr an, Scribe sollte der. vorhandenen Musik einen neuen Text unterlegen. Er hatte die Grundfarbe der deutschen Librettos beizubehalten, damit die bereits fertigen Nummern, die Chöre, Zigeuuerlieder, die Ouvertüre und das in derselben verarbeitete, später immer wiederkehrende Hauptmotiv verwendet werden könne. Gerührt von dem Wehklagen seines Freundes, macht sich Scribe sofort an die Arbeit uud in wenigen Tagen ist das Libretto fertig. Aus dem preußischen Helden ist ein russischer Heros gemacht uud bei dem vorhaudeuen Wahnstnnsrezepte der italie­nischen Garküche von Linda und Lncia konnte es nicht schwer werden, etwas zu erfinden, was die verlangte Wiederkehr der beliebte» Arie nach den hergebrachten Dperngewvhuheiten entschuldigt. Soweit wäre alles gut, aber Meyerbeers Wahn­sinn harte zur Abwechselung auch zwischen zwei Flöten zn singen, und da die eine Flöte vom ersten Liebhaber gespielt werden muß, machte Scribe ans Peter dem Großen einen Flötenbläser. Wenn der Zar soweit derogirte, das Zimmerhand­werk zu erlernen, warnm sollte er nicht auch die Flöte blaseu. Der heftige, trunk­süchtige Mann, der den Frauen gegenüber die, russischen Soldaten im Ueber- muthe des Sieges nachgerühmte Tugend ebenso gut ausübte, wie der letzte seiner Baschkiren, muß uun Frauenherzen durch Flvtenspicl erobern wie Dämon und zeitweilig sentimental werden wie Werther. Die Hauptschwierigkeit wäre somit ebenfalls beseitigt und wer es weiß, wie die französische Tragödie und das Drama mit dsr historischen Treue verfahren, wird, sich nicht verwundern, wenn das Opernlibretto ihr beide Beine nntcrstellt. Es blieb nur noch übrig, den Dcssauer Marsch ins Russische zu übersetzen, denn dieser spielt imNordstern" eine ähnliche Rolle, wie dem Nackoczymarsche in Berlioz Faust augewiesen ist. Scribe, der nicht leicht in Verlegenheit kommt, macht aus dem ursprünglich italienischen, später deutsch