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Die Kapuzinerpredigten im Colosseum.
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Die Kapuzinerpredigten in» Coloffemn.

Die Via Sacra des alten Roms, damals einer der lebhaftesten Verkehrs­punkte, ist jetzt öde und einsam. Dort war der Obstmarkt in der Gegend des Titusbogens, hielten die Kranzwinderinnen feil, zogen zahlreiche Galanteriebnden Käufer nnd müßige Beschauer an: Goldschmiede, Juweliere, Steinschneider, Perlenhändlcr hatten hier ihre Läden. In diesem Gewühl flanirten die eleganten Pflastertreter, hier wandelte Horäz, als er von jenem lästigen Schwätzer angefallen wurde, der sich durch ihm wollte bei MäcenaS einführen lassen. Jetzt ist hier gar kein Verkehr; Kirchen uud Oratorien, Tempelruinen auf der einen, die langen grauen Mauern der wüstliegenden Farnesianischen Gärten aus der andern Seite. Nichts ist von der alten Herrlichkeit geblieben, als einige ziemlich große Strecken des antiken Pflasters von mächtigen grauen Basaltlavaplatten. An schonen Svnntagnachmittagen jedoch wird es hier immer lebendig. Die Bewohner der an das Forum grenzenden Straßen, meist der untersten Classe angehörig, und vom Lande hereingekommen« Campagnolcn pflegen hier ihre Sonntagsvergnüguugen zu veranstalten. Da tönt das leidenschaftliche Geschrei der Morraspieler, da stehen Kartenspieler in großen Mänteln um einen Strohstuhl, der statt des Tisches dient, da werfen Knaben uud erwachsene Bnrsche Marmor- oder Ziegelscherben im Boccia- spiel au dcu Lecco. Am Titusbogen braten ans einem kleineu tragbaren Ofen Kastanien, laben verschiedene Liqnenre den Durstigen, bietet ein zerlumpter Kerl ^igari soelti" ans. Auch ein Steinschneider mit Stücken verschiedenfarbigen Marmors iu allerlei Formen geschliffen, gibt sich hier der Hoffnung hin, einen Forestierc anzuführen. Zahlreiche Spaziergänger uud Fahrer ziehen durch den Titnöbogeu den Hügel hinab; die alte Blinde, die hier Tag für Tag am Abhang sitzend ihre Büchse rasselt und ihr povm-i cic-ea benelMor mW! mit immer demselben Ton ruft, hat heute wol eine reichere Ernte als gewöhnlich. Angehörige von Erziehnngsanstalten, Brüder- und Schwesterschaften, Kollegien gehen in ihrer Uniform vorüber. Die Schwestern iu schwarzen Kleidern mit breiten weißen Schleierhaubcu, die Alumnen eines CollegS mit langen Nocken in irgend einer aus- Grc-»zbowi, I. -ILlii. . 61