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Noch einmal Wagner.
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des Artikels wurden über Wagner und namentlich über seine Anhänger fast ebenso schlimme Dinge gesagt, als man sie nur in den Grenzboten finden konnte, und der erschrockene Redacteur war einmal über das andere genöthigt, zu erklären, das sei alles falsch, und er nehme es nur auf, um es nächstens zu widerlegen. Ob eine solche Widerlegung erfolgt ist, wissen wir nicht, wie wir denn überhaupt gestehen müssen, daß wir damals jenen Artikel wie die ganze Zeitschrift nur flüchtig angesehen haben. Im allgemeinen fanden wir das Verfahren des Ver­fassers nicht grade fein, aber es lag wenigstens Humor darin.

Aber in dem nenen Abdruck hat der Verfasser, Hr. Hiurichs, nicht für gut gefunden, diesen Humor auf das richtige Maß zurückzuführen, und das verdient eine kleine Zurechtweisung. Herr Hinrichs hat unsern Artikel gelesen, selbst be- nntzN), und wenn wir eine augenblickliche Verstimmung erklärlich fanden, so hätte er seitdem hinlänglich überlegen können, wie lächerlich er sich durch seinen Ton gemacht. Uebrigeus ist unser Artikel im musikalischen Publicum jetzt hinlänglich bekannt; es ist daher völlig überflüssig, für ihn in die Schranken zu treten. Hier ist die Sache entschieden. Aber um der vielenguten Leute" willen, für die Herr Hinrichs das Wort genommen hat, und die sich immer betrüben, wo einmal ein bestimmtes Wort gesagt wird, auch wenn sie seine Gerechtigkeit fühlen, um dieser wohlwollendenKunstfreunde" willen geben wir auf seine Vorwürfe ein.

Was ist es eigentlich, das Herr Hinrichs an unserem Referenten auszusetzen hat? Wir wollen die einzelnen Punkte ins Auge fassen.

Zunächst verlangt er, man solle die Theorie Wagners und seiner Anhänger von seiner Praxis scheiden, man solle sich durch das Urtheil über die eine nicht in Beziehung auf die andere bestimmen lassen. Das ist von uuscrem Referenten geschehen. Er hat Wagners Theorie nur insoweit in Betracht gezogen, als sie im Tannhänser zur wirklichen Anwendung gekommen ist. Ueber Wagners Theorien ist in andern Artikeln gehandelt. Uebrigeus stimmt im Urtheil über die Theorie Herr Hinrichs vollständig mit uns überein. Er erklärt sie für unausführbar und für schädlich, soweit sie ausführbar ist.

Wenden wir uns zu der Praxis. In Beziehung ans die musikalische Aus­führung ist Herr Hinrichs auch unserer Meinung. Im Durchgehen des Ein­zelnen findet er ziemlich alles vom musikalischen Standpunkte verdammenswerth, theils aus Gründen, die wir bereits angeführt haben, theils aus andern. Er setzt feruer vollkommen richtig auseinander, daß der musikalische Standpunkt aller­dings festgehalten werden müsse und daß alle Einwendungen der Wagnerianer

*) Z. B> S. 47 über die bekannten Eriunernngs- und AhnnugSmotivc Wagners:Der augebliche Inhalt liegt hier nicht in der Mnsik, sondern in der Combination oder eigentlich un Köpft der richtig Combiuircndcn: es ist eine Randglosse des Componisten für das Pnblicum, das iiber dem Einzelnen den dramatischen Zusammenhang vergessen konnte" das ist doch wol mehr als eine bloße Ncminiöcenz aus der betreffende» Stelle unseres Artikels-