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Briefe über die Schopenhauersche Philosophie.
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Briefe über die Schopenhauersche Philosophie,

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von Julius Frauenstädt. Leipzig, Brvckhans.

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Schopenhauer trat mit seinem Hauptwerke,die Welt als Wille und Vor­stellung", zwar bereits 4819 auf, also iu einer Zeit, wo das Philosophireu noch eine Neigung nicht blos der eigentliche» Philosophen, sondern anch des größern Publicums war, und doch ist er vollständig ignorirt morden, bis vor kurzer Zeit, wo die Fichtesche Zeitschrist uud die Westminster Neview von ihm Notiz genommen haben. Den Artikel der letzteren Zeitschrift, ans deu auch wir hingedeutet haben, druckt Herr Franeustädt wieder ab. Zunächst entsteht nun bei diesem Versnch, die Nichtigkeit der Schopenhauersche» Philosophie zu erweise», die Frage, was für eiu Pnblicnm Herr Frauenstädt im Ange gehabt hat, das allgemeine Pnblicum oder die Philosophen von Fach. Nach der äußeren Haltung sollte man das erste vcrmnthen; denn Herr Francnstädt kleidet seine Apologie in die Form von Briefen ein, die zum Theil erstaunlich populär gehalten sind uud in denen uns sogar die gewöhnlichen Höflichkeitsbezeuguuge» »icht erspart werden, uud außerdem stellt er an die Spitze seines Bnchs eine Empfehlnng Gntzkvws, der in den Unterhaltungen am häusliche» Herd" versichert, Schopenhauer sei im ganzen ein recht gnter Schriftsteller, ein Selbstdenker. Diese Empfehlnng ist doch offenbar nicht auf Philosophen von Fach, sondern aus das Pnblicnm derUnterhaltungen am häus­lichen Herd" berechnet. Nnn möchten wir gegen dieses Forum nur zweierlei einwenden. Einmal hat das größere Pnblicnm nicht mehr die Neigung, sich um die Streitigkeit seiner Philosophen zu bekümmern, es zieht andere Unterhaltungen am häuslichen Herd vor; sodann ist grade der Inhalt der Schopenhanerschen Philosophie, in welcher die Polemik gegen die anderen Philosophen überwiegt, für das größere Pnblicnm nicht geeignet. Es gibt gewiß philosophische Bücher, die für das Volk geschrieben sind, so z. B. manche von Fichte, von Schleier- Macher u. s. w. Bei solchen Büchern ist es aber dann nothwendig, daß sie ganz ans sich selbst heraus verstanden werden. Sobald der philosophische Schriftsteller den Inhalt der gesammten Philosophie in den Kreis seiner Betrachtung zieht, die Deductivnen anderer kritisirt u. s. w., darf er sich nicht mehr an das größere Publicum wenden. Schopenhauer erklärt sämmtliche Philosophen, von Fichte bis ans Hegel und Herbart für ausgemachte Charlatanc und Betrüger: wenn er aber das beweisen will, so muß er sich au diejenigen wenden, die im Stande sind, ein Hegelsches Buch zu lesen und zu verstehen. Wenigstens, wenn man auch das größere Pnblicnm vor Angeu hat, muß mau nebenbei doch immer darauf sehen, daß man den Keunern keine Blöße gibt.

Herr Frauenstädt scheint uns »ach beide» Seite» hin gefehlt zu habe». Schopenhauer hat in semer Art und Weise zu philosophireu, obgleich viele treffende

Grcuzbvlen. I., 42