Beitrag 
Militärische Landschaftsbilder aus der Türkei.
Seite
281
Einzelbild herunterladen
 

Militärische Landfchaftsbilder ans der Türkei.

Koiistantinvpel, den 23. Januar -I85i.

'' '' '-''-"^ ^'^ Ut,sl«ttt',^!i,^ N!-.^ j-,^ ^n«ZG ^»N ^

Zluf dem Marmara-Meer.

Die jetzigen Tage find es nicht, die man wählen mnß, um von Konstantinopel einen Gesammtüberblick und einen möglichst langbleibenden Eindruck zn erhalten. Fast wie in Deutschland sind auch hier im Januar und Februar die heiteren Morgen, Mittage und Abende spärlich gezählt. Am Himmel behaupten in dieser Jahreszeit die grauen, bleichen, sturmgetriebenen Wolken die Oberhand, die sonst so tiefblaue Flut des Bospors und der Propontiö verblassen unter ihrem Wider­schein und kaum reicht, von den südlichen Hängen des Perahngels aus, das Auge bis zu den Prinzeninseln und den jenseit derselben gelegenen Gestaden des Busens von Jsmid. Die sonst spiegelglatte Meeresfläche ist in Bewegung und rollt in hohen Wogen; man sieht die Brandung die einsame Klippe des Leanderthnnnes umtosen und an der Serailspitze den Schaum bis zu den Fenstern desSommerharems" (eigentliche poww äu seiail) spritzen. Wer Stambnl in seiner ganzen, hinreißenden, majestätischen Pracht schauen will, der möge im Herbst hierherkommen, zur Zeit, wo die Nächte bereits merklich länger geworden sind und die Lust reiner zu sein pflegt vom wirbelnden Stanb der heißen Jahreszeit. Nachdem ich hundertmal den Anblick geuossen und im An­schauen der über die Grenzen zweier Welttheile, da, wo sie am schönsten sind, hinausgreifeuden Landschaft geschwelgt, verbleibt nach wie vor das sehnende verlangen in mir, immer anss neue die Augen daran zu weiden. Mit den glühendsten Farben aber haben sich in meinem Gedächtniß die Erinnerungen an die Tage verewigt, wo ich die Kaiserstadt (Czarigrad nennt der Nnfse Konstan- tuwpel), sei es auf längere oder kürzere Zeit, verließ, und vom schnellen Dampf­schiff rasch entführt, ihr magisches, traumhaftes Bild nach und nach hinter den Grenzboten. I. <8öi. 36