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schiefer Stellung zu sei», und wenn sie kühle Aufnahme an einzelnen Höfen zu fürchten hatten und selbst die Illegitimität ihrer Präteudentcnstcllnng schmerzlich empfanden, so war dies vielleicht für sie selber ein Unglück, allerdings ein Unglück, welches wohl zu ertragen gewesen wäre. Indeß, wenn die Orleans durch diese Vereinigung nichts Anderes zu erreichen hatten, als sich die Zeit ihres Exils leichter zn machen, so hätte die Presse kein Recht, etwas dagegen zu sagen. Wenn sie aber der Ansicht waren, daß durch die Fusion und durch die Unterordnung unter das Legilimitätsprincip die Aussichten ihrer Familie auf eine Wiederherstellung in Frankreich größer werden würden, so waren sie sicher im Irrthum. Und von diesem Staudpunkte aus halten hier viele Anhänger des Hauses Orleans, zu deueu auch Ihr Korrespondent gehört, die Fusion für unnütz, ja für schädlich. Denn obgleich schwer zu sagen ist, was die Franzosen in Zukunft noch thnn oder ertragen werden, so ist dvch das Unwahrscheinlichste von allem, daß sie jemals wieder irgend eine Pietät gegen das göttliche Recht der Bourbouen bekommen werden. Dieser Zweig der Familie hat in Frankreich keine Zukunft mehr. Denn die Eriuueruug au die Bourbouen ist bei drei großen Gewalten Frankreichs, dem Heer, der wohlhabenden Bürgerschaft und der unruhigen Masse mit keinem einzigen warmen und wohlthuenden Gefühle verbunden; Kälte, ja Mißtrauen und Abneigung, und was das Schlimmste von allem ist, ein ironisches Lächeln, sind die herrschenden Stimmnngen im Heere, in der Bürgerschaft und in der Masse. Und auch die vierte mächtige Partei in Frankreich, die klerikale, hat längst aufgehört, ein zuverlässiger Bundesgenosse der legitimen Macht zu sein, und bei der klngen Taktik Lonis Napoleons ist gar nicht abzusehen, daß die Kirche jemals ein besonderes Interesse daran haben' könnte, zu Gunsten der Bonrboncn der öffentlichen Meinung zu trotzen. Was aber die Partei des Grafen von Chambord noch mehr als der gegenwärtige Mangel an Anhängern unmöglich macht, ist die in ganz Frankreich verbreitete Ansicht, daß seine Restitution Wuusch und Plan derselben östlichen Mächte Europas sei, welche die Bourbouen schon einmal in das «^demüthigte Frankreich mit Waffengewalt eingeführt haben. Was auch in Frankreich noch geschehen mag, diese Abneigung gegen den Schützling des Auslandes wird bleiben.
Dies Odium droht jetzt die Orleans mit zu treffen. Dnrch die Freundschaft der legitimistischen Mächte werden sie ihre Wiederherstellung nie durchsetzen. Wenn eine Zeit kommen sollte, wo die Masse, das Heer nnd die Classen der Besitzenden sich gegen die Bonapartisten vereinigen sollten, so wird man sich an die Orleans erinneren, nicht weil stein ihrem Wappen die königlichen Lilien führen, sondern weil der Bater oder Großvater dnrch den Willen der Nation auf den Thrvu gekommen ist, weil unter seiner Negierung ein hoher Grad von gesetzlicher Freiheit vorhanden war, und vielleicht weil seine Nachkommen den Ruf ehrenwerther uud tüchtiger Männer genießen. Ja, daß sie den Regierungen des