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Deutsche Geschichtschreiber. 2. : Heinrich Leo.
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mißbilligt. Preußen ist einer der Punkte, wo er sterblich ist. Seine Schilde­rung Friedrich II. (Friedrich der Große wird er nie genannt) ist ein wahrhaft eqnilibristisches Kunststück, sich zu drehen und zu wenden, ohne die Sache zu berühren. Wenn er consequent in seinem Denken wäre, so würde die Existenz Preußens in sein System ebensowenig passen, als die Reformation. Aber wo der Geist nicht mehr ausreicht, versetzt er sich iu eiue erhöhte erbauliche Stim­mung und so endet den» auch seine Universalgeschichte mit einem brünstigen Ge­bete, d. h. mit einem Act des Glaubens, der alle Widersprüche aufhebt.

Napoleon auf St. Helena.

(Iliklor^ ot ll>o l'uplivil.^ ot I^apolonn »>. 8l. Ildon»; lrom llie lotters »nd Mini»!,? ot Iliv Ii>l,v l^iizut.-Kön. 8ir Hudson I^o^vo imcl otlieiul doeumvnls nol doloro »>,iile >in>>Iie, bx >V. I^oi-s^b. Geschichte der Gefangenschaft Napoleons auf St. Helena. AuS den Briefen und Tagebüchern des Generallieutnants Sir H. Löwe und andern officiellen bisher ungcdruckten Urkunden. Nach dem Eng­lischen des W. Fvrsyth von I. Scybt. Leipzig, Amclcmgs Verlag.)

Die Ueberzeugung, daß Napoleon während seiner Gefangenschaft auf St. Helena mit Ungerechtigkeit und Grausamkeit behandelt worden, ist bei dem größten Theil des Publicums so fest eingewurzelt und der Name Hudson Löwe ist so sehr zum Typus jeglicher Niedrigkeit, Tyrannei und Grausamkeit geworden, daß bei weitem die meisten Leser das Buch, dessen Titel au der Spitze dieses Artikels steht, mit Mißtrauen iu die Hand nehmen und darunter nur einen Versuch, durch eine sophistische Darstellung eine schlechte Sache zu vertheidigen, argwohnen werden. Dies ist um so mehr zu fürchte», als sich uoch viele finden, die sich vv» dem Glänze des uuvergleichlicheu Genies Napoleons so sehr verblenden lassen, daß sie seine zahlreichen Verbrechen gegen Nationen nud gegen einzelne übersehen nnd über der Große des Feldherrn die Kleinheit des Menschen vergessen. Nur wer sich davon frei zu halten weiß, kann die Unbefangenheit erlangen, die zur Wür­digung dieses viele lauggeuährte Vorurtheile vcrnichteuden Buches nothwendig ist.

Die Quellen, ans denen bis jetzt unsere Keuutuiß der Geschichte der Ge­fangenschaft Napoleons geflossen ist, sind im höchsten Grade unrein und trübe. Abgesehen von der Parteileidenschaft, von der sich so sanatische Anhänger Napo­leons, wie Montholou, Las Cases nnd Antommarchi, zu den gröblichsten Ent­stellungen verleiten ließen, war auch der persönliche Charakter dieser Männer nicht dazu geeignet, sie zu getreuen Berichterstattern zu machcu. Diese Behauptung beruht nicht auf dem parteiischen Urtheil eines Bctheiligten, sondern auf dem übereinstimmenden Zeugniß Napoleons, O'Mearas und andrer, die mit dcu . Grenzbotcn. IV. 18öZ. S3