Beitrag 
Friedrich Bodenstedt.
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durch entsteht eine Malerei der Staffage, welche leicht mächtiger wird, als die ei­gentliche Begebenheit. Und ferner erhalten die Helden und ihre Thaten leicht dadurch etwas Unwahres, daß der fremde Dichter sie zum Theil genau nach der Wirklichkeit zu porträtiren sucht, zum Theil ihr Wesen und ihre Begebenheiten nach seinem eigenen Ermessen aus seiuer Persönlichkeit herausarbeiten muß. Er wird demnach in dringender Gefahr sein, entweder unwahr zn werden dadurch, daß er nicht Zusammengehöriges miteinander verbindet, z. B. tscherkessische Wildheit nud deutsche Seutimenralität, chinesische Zöpfe uud deutsche Gemüthlich­keit, oder er wird im Bestreben, diese Verbindung zu vermeide«, ans einem schönfarbigen, stark ausgeführten Hintergründe schattenhafte Menschen, eine wenig dctaillirte Handlung heraufmalen. Den letzteren Uebclstand hat auch Bodenstedt nicht vermeiden können, er ist immer noch der bessere unter den beiden angegebenen.

Das Bestreben, treu das Land uud die Menschen zu schildern, ist in dem GedichtAda" überall sichtbar und viele Eiuzeluheiten sind von diesem Stand­punkte aus vortrefflich gezeichnet. In den Versen hat der Dichter sich die Frei­heit genommen, das Maß zuweilen charakteristisch zu ändern, Lieder einzuflechten u. s. w. Es ist bereits früher iu diesen Blättern ausgeführt worden, weshalb ein solches Wechseln des Versmaßes bei einem Gedicht von epischer Einheit nicht vorteilhaft für die Wirkung nnd Erzählung sei. Bodenstedt ist übrigens ge­schmackvoll in der Wahl seiner Maße uud sorgfältig in der poetischen Form. Dies Talent hat er auch hier bewährt.

So wird das Eudurtheil über das vorliegende epische Gedicht sei«: daß seine Schwächen in unvollständiger Composition, seine Vorzüge in lebhafter Ncproduc- tivn schöucr Eindrücke beruhen, welche Landschaft nud Menschen in der Seele des Dichters hervorbrachten, und unser Urtheil über das Talent des Dichters, soweit man aus seinen gedruckten Werken darüber urlheile» kau», muß das seiu: daß er in bewunderungswürdiger Weise sein orgauisirt ist, das poetisch Schone in alle» Formen zu erkennen und charakteristisch zn reprvduciren, daß seine Kraft zu er­finden aber und das Einzelne zu cvmbiniren noch nicht in gleichem Maße vor­handen oder entwickelt ist.

Nnßlmlds baltische Seemacht.

Im gegenwärtigen Augenblicke beschäftigt man sich fast ausschließlich mit der russischen Seemacht ans dem schwarzen nnd asowschen Meere. Wir haben hier nicht die Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten abzuwägen, ob die baltische Seemacht Rußlands iu der nächsten Zeit ebenso wichtig zn werden bestimmt ist, wie gegen- , wärtig die des schwarzen Meeres. Je ungewisser aber diese Zukunft, desto uu-