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Aus Paris.
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den und geschaffen, sehr merkwürdige Beobachtungen schöpfen. Wir wollen nach Beendigung derselbe» eiue zustimmenstellende und erläuternde Uebersicht davon versuchen,- die, wir glauben es, nicht ohne Interesse für den deutschen Leser sein dürfte.

Wochenbericht.

Alls England. Die orientalische Frage hat zu einer großen Zahl Flug­schriften Anlaß gegeben, aus denen wir ihrer Originalität wegen die von David Urqnhart verfaßte: 'i'Iio pi-ogi-e»!; nl Kusüin in >>>e >Vi?5l, IVanb >'»u> 8>u>Ui, hervorheben. Sie ist wie gewöhnlich voller Paradoxien, fantastisch in ihrer Politik, aber da Hr. Nrquhart Kühnheit genug besitzt, über die politischen Verhältnisse des Contincnts anders zu den­ken, als die große Mehrzahl seiner Landslcute, und da er, wenn seine beiden fixen Ideen nicht in Frage kommen, frei von den Vorurtheilen und Voreingenommenheiten ist, die seine LandSleute oft so merkwürdig unfähig zur Beurtheilung politischer Zustände des Auslandes mache», so ist die Broschüre nicht ohne ihre Verdienste und kann den kriti­schen Leser manches lehren. Die beiden ebenerwähnten fixen Idee» sind eine ganz ausschweifende Ueberschätznng des Einflusses der russischen Politik, und die bewußte Mitschuld Lord Palmcrstons an den Siege», die sie während seine» verschiedene» Amts­führungen erfochten hat. Niemand wird die Geschicklichkeit der Diplomatie, und die Conscqueuz der Politik Rußlands bestreiten wollen; um zu sehen, was sie erreicht hat, reicht ein einziger Blick auf die Lcmdkarte hin. Aber Hr. Urqnhart geht soweit, jedes politische Ereignis), welches in dc» letzten SO Jahren direct oder indirect zur Erwei­terung des russischen Einflusses oder zur Ausdehnung seiner Macht beigetragen hat, der tiefen Berechnung des russischen Cabincts zuzuschreibeu, und in den Vortheile» die Rußland der Gunst der Zeit und den Verhältnissen zu verdanken hat. die Früchte ei­ner allwissenden und allmächtigen Politik zu scheu. Sein Glaube an die Untrüglichkeit ihrer Berechnungen ist so unerschütterlich, daß sich selbst die Thatsache» ihm anbeqncmen müssen. So behauptet er, die russische Politik habe Preußen das langhiugestreckte Ge­biet, das seine militärische Lage so unsicher macht, und die Grenze, wclchc es beständig Frankreichs Angriffcn aussctzt, mir in der Absicht verschafft, diese jüngste der europäi­schen Großmächte ganz in Nußlands Arme zu werfen. Bekanntlich ist ganz das Gegentheil der Fall. Rußland unterstützte anfänglich Preußen in seiner Forderung des ungetheilten Sachsens, das ihm eine gute Grenze gegeben hätte, und Ocstrcichs Widerstand »nd seine Umtriebe in Süddentschland ein Gegengewicht gegen Prcnßcn zu bilden, machte wie ge­wöhnlich jede auf die Dauer haltbare Rcconsttuction Deutschlands der besten Ge­währ gegen Rußlands Uebergriffe am Sund und a» der Donau unmöglich. Die Schwäche der deutsche» Wcstgrenze ist ebenfalls kein Werk der russischen Politik. Daß Deutschland nicht wenigstes den Elsaß zurückbekam, ist vielmehr Oestreichs Politik, daß zwar Preußen keine» Einfluß i» Süddeutschlaud ausüben lassen, aber auch keinen süddeutsche» Staat so vergrößern wollte, daß er dein Kaiserstaate in seinen Plänen unbe­quem werden konnte. Der Antheil, dc» Rußland an dieser Beraubung Deutschlands hatte, ist nicht der Berechnung seiner Diplomatie, so»der» der Seiitimeittalität und der