330
Der russisch - türkische Feldzug von R8SS.
Im Jahre 1828 haben die Russen den Krieg gegen die Türken in Europa und iu Asien geführt. In Asien waren ihre Erfolge glänzend, aber wenig entscheidend. Ju Europa hatten sie zwar die Festung Jbrail am linken Donannfer und den starken Hafenplatz Warna am schwarzen Meer erobert, aber die Einnahme des Lagers in Schumla nud der Donaufestung Silistria war ihnen mißlungen.
Die Tapferkeit der Türken in fast allen Gefechten, ihre Hartnäckigkeit in der Vertheidigung der festen Plätze hatte die Ausführung des russischen Jnvasions- pla.ns verhindert.
Der Widerstand der Türken grenzte ans Wunderbare nud setzte um so mehr u Erstauneu, als man ihn nicht erwartete. Es regten sich wieder zu ihren Gunsten Sympathien in Europa. Euglaud, welches die Angelegenheit von Navarino getadelt hatte, ergriff Maßregeln zur Rettung der Türkei. Frankreich, welches ein Bcobachtuugscorps uach Mvrea geschickt hatte, nm diese Halbinsel vollends von den Türken zu säubern, ließ daselbst seine Truppen, ebensowol um die Landesregierung zu schützen und die Ordnung aufrecht zu erhalten, als nm die militärischen Operationen im Donaubassin z» beobachten nnd nach Umständen zu handeln. Oestreich verstärkte seine Armee an der Grenze Ungarns auf 80,000 Mann nnd nahm eine Anleihe von 100 Millionen Gulden auf, nm zur Nettuug des türkischen Reiches, wenn die Umstände es forderten, mitzuwirken.
Der Kaiser Nikolaus hatte den Winter von 1828 auf 1829 dazu benutzt, seine Truppen zu verstärke» und nen zu organisiren. Er brachte den Essectivbe- stand der Armee auf 160,000 Kombattanten. Auch die Türken hatten ihr Heer in der Bulgarei mit ncuausgehvbenen, nach europäischem System organisirten Truppen vermehrt.
Aber statt 100,000 Mann in nud bei Schumla aufzuhäufen, hätten sie den -Südabhang des KamtckMhales, welches im Norden die Ostseite des Balkan schützt, hätten sie alle Küstenplätze des schwarzen Meeres besetzen inüssen. Sie hätten die Gebirgspässe nnd die Städte, welche vor nnd nach dem Uebergang über den Balkan ans dem Wege des Feindes lagen, befestigen müssen. Der Snl- tan hatte allerdings seinen Generalen befohlen, ein wachsames Auge ans die Städte der Seelüfte zn haben und sie stark zn besetzen: aber die Paschas glaubten nicht, daß die Russen ihr früheres System aufgeben und von der Seite des schwarzen Meeres iu Thracien eindringen würden. Ihre Nachlässigkeit war so groß, daß eine russische Flotte unter Admiral Kumauy am 4. Februar 1829 die Festung Sizeboli uud das kleine Fort Aya-Oglou eiunahm, welche am Eingange der weiten Bucht von Burgas einander sich gegenüberliegen. Husseyu-Pascha versuchte zwar mit S000 Maun Infanterie und 1ö00 Mann Cavalerie diese Position wieder