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Der russische Adel.
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Edelleute, ihre Kinder könne» in, Dienst leicht den erblichen Adel erhalten. Die Ehrenbürger haben viel reelle Rechte des Adels, Kvpfstcnerbefteiung, Militär- hefreinug, Befreiung von körperlichen Strafen. Eine ständische Gliederung besteht in Rußland nicht, und Rußland hat für dieselbe wenig Sympathie.

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Wochenbericht.

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Ans Berlin, 22. Octobcr. Böckhö Rede gegen Stahl »nd gegen dessen Aufforderung zur wissenschaftlichen Umkehr ist uns, offen gestanden, weniger interessant in sich selbst als durch den Eindruck erschienen, den sie in den politischen Kreisen her­vorgebracht hat. Als Stahl jenen feierlichen Unsinn von seiner künstlichen Höhe hcruuter- sprach, mochte er wol kaum darauf rechnen, daß der mystische Paradoxale Einsall eine nachhaltige Polemik hervorrufen werde. Man kann sich doch nur zu einer Discussivn angeregt fühlen, wo der gesunde Menschenverstand von vornherein mit Ja! oder Nein ! entscheidet, oder wo die Frucht der Jahrhunderte nicht längst gepflückt ist. Wenn Herr I>>-, Schöpfer eine Lanze gegen Kopernicns bricht, so mag sich der verrückte Prophet Karl Jacobi vom Kölner Fischmarktc dafür iuteressireu. Das Publicum hat Besseres zu thu», als bei Stahl und Leo wissenschaftliche Romantik zu hören. Stahls Wirkung i» den öffentlichen Vorlesungen über Staats- und Kircheusachen war stets dieselbe: be­wies er, daß das coustitutiouellc Regiment eine Unmöglichkeit und eine Lüge, da nahmen ihn die von vornherein überzeugte» jnugeu Leute gern beim Wort, und zogen daraus ihre hoehrothe» Cvnscquenzen. Schloß er aber mit einem mittelalterlich feudalen Also da lächelten sie und wußten, was davon zu halten war. Die Republikaner sollten Stahl gewähren lassen! nnr die Mittclpartei könnte sich bennrnhigen, wüßte sie nicht, daß der Radikalismus der Studenten in der Regel mit dem letzten Semester absolvirt wird.

Es hat daher wol nicht leicht ciu vernünftiger Mensch darüber eifrig nachgedacht, wie Stahls Theorien zn widerlegen wären. Nnr in der Kammer, wo er seine ein­geschulte Dialektik dem praktischen Egoismus der Rechte» zu Gebote stellte, wo Leiden­schaft, Ehrgeiz n»d politische Gewinnsucht mit ihm couspirirten, mir dort forderte er die Debatte heraus. Ans der Uuivcrsität, i» dem Reiche der Ideen, konntc Böckh's Rede kaum einem dringende» Bedürfniß entgegenkommen. Sie war auch wol nicht für die Universität gehalten. Die Sc»satio» war aber jedenfalls keine geringe, bei den Zuhörer» wie drauße», als der Auszug iu den Zeitungen erschien luud dann auch bei deueu, die es nicht Wort haben wollen, die sich iu der gewöhnliche» blasirten Art der Berliner darüber vernehmen lassen. Indem diese amüsanten Kritiker den Eindruck vo» sich abwehre», beweise» sie, wie er ihnen zn schaffen macht.

Ob es überhaupt wohlgethan ist, solche Demonstrationen leichthin wie veraltet oder abgethan zu behandeln, erscheint u»S mehr als zweifelhaft. Einer unsrer bedenk­lichsten dentsche» Fehler besteht darin, als fertig anzusehen, was wir im Geiste, wie die Phrase geht, überwunden haben. Die Engländer hatten ihre Äasis der Constitntio», als noch nicht anderthalb Jahrhnnderte, ihr erstes Haus der Gemcme», als »och nicht zwei Jahrhunderte seit der normänmschen Eroberung verflossen waren. Wer ihnen

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