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Wochenbericht.
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dieser Gründe die ganze Sache als eine unhaltbare betrachten. Allein nach unserer Ueberzeugung muß der Staat in seinem eignen Interesse den Juden die völlige staatsbürgerliche Gleichstellung gewähren, abgesehen von den Ausnahmen, die sich von selbst verstehen. Politische Rechte sind immer nur Anerkennung eines Factums; wenn der Kaiser von Oestreich den Frankfurter Jnden Rothschild zum Reichsbaron macht, so liegt darin doch wol eine größere Anomalie, als wenn derselbe als Abgeordneter der Mitbürger, die ihm ihr Vertrauen schenken, in einer gesetzgebenden Versammlung sitzt. Die Juden sind eine sehr einflußreiche Classe der Staatsbürger, die durch ihren Zu­sammenhang noch wichtiger werden; versetzt man sie in die Lage einer politisch ge­drückten Classe, so macht man sie dadurch nothwendig zu Feinden des Staats, und dciß sie hier sehr thätig zu wirken wissen, haben die letzten dreißig Jahre hinreichend gezeigt. Es liegt in einem großen Theil der Jnden ein sehr conservatives Element, das nur darum nicht zur Geltung kommen kann, weil sie durch eine falsche Gesetzgebung noth­wendig in die Opposition gedrängt werden. Uns scheint diese Rechnung sehr einfach und handgreiflich. Ob es besser wäre, wenn unsere Staaten nur aus christlichen Bür­gern beständen, das ist eine andere Frage; genug, es ist nicht der Fall, und das con- servative Interesse erheischt uncibwendlich, daß keine Classe im Staat vorhanden sei, die als solche mit dem Staate unzufrieden zu sein, Veranlassung hat.

Literatur.

Neue Novellen.Dunkles Leben" von Oswald Tiedemann, 1. Bd. (Zwickau, Pabst). entbält fünf Novellen, gut geschrieben, aber von einer seltnen Einför­migkeit in der Komposition. Die drei ersten schließen genau auf dieselbe Weise: der Blitz schlägt ein und das Haus verbrennt mit sämmtlichen betheiligten Personen. Aus­fallend ist es, wie auch in solchen kleinen Novellen sich der sittliche Zersetzungsproceß unserer Zeit kund gibt. In der ersten Novelle wird ein Flüchtling, dem es ans Leben geht, in einem Schloß aufgenommen, er schließt ein Liebesverhältniß mit Siona, der Tochter der Schloßverwalterin; darüber wird die Herrin des Schlosses, Arabella, die es nicht leiden kann, wenn man einer andern den Hof macht, eifersüchtig, und er­klärt ihm, er müsse das Asyl verlassen.Er hatte keinen Beistand mehr von ihr zu erwarten und war verloren, wenn er das Verhältniß zu Siona nicht aufgäbe. Bei diesem Gedanken bebte er zurück, als ihm aber auf der andern Seite die Gefahr des Todes immer klarer vor den Augen schwebte, gewann die Lust nach Freiheit und zum Leben die Oberhand, und das Bild Sionas trat immer mehr in den Hintergrund. Unschlüssig blickte er auf Arabella und neue Gedanken stiegen in ihm auf. Ihre Ge­stalt war ihm nie verführerischer erschienen. Unwillkürlich stellte er Vergleichungen an und seine überwiegend sinnliche Natur neigte sich zum Vortheil Arabellas. Die gänzliche Umgestaltung seiner Verhältnisse durch sie ersetzte in seiner Schale der Ueber- lcgung das fehlende Gewicht ... er sank vor ihr auf die Knie, preßte ihre Hand an

die Lippen und rief flehend: Arabella!"--Da hört doch vieles auf! Einen

zweiten Roman, Afraja von Th. Mügge, können wir mir loben. Das norwegische Fischer- und Handelslcben ist mit einer ungemeincn Anschaulichkeit geschildert, und wenn Wir auch trotz des fremdartigen Costüms in dem Kaufmann Hclgestad eine Reminis-