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Ich hatte noch nicht Gelegenheit, Ihnen von dem kleinen Unfälle zu melden, der dem znr Reparatur hierher gesendeten französischen Dreidecker passirt ist. Der „Friedland" war ins Dock gebracht worden. Während der Heransschaffuug des Wassers hatte man das auf dem Kiel grundende Schiff abgesteift (mit Streben gestützt) und glaubte die Reparatur vornehmen zu können, als ein Windstoß das ungeheure Gebäude aus der Balance warf, die Streben wie Rohr zerbrachen und der Dreidecker auf die Seite stürzte. Hierdurch ist der Schaden viel größer geworden, als er zn Ansang war. Uebrigens liegt das Linienschiff jetzt bereits wieder im innern Hase» und schickt sich an, ehestens wieder ins Dock zu geheu. Es wird sich zu dem Ende vorerst aber noch bedentend erleichtern.
Die Witterung ist heiß und auch bei Nacht siukt das Thermometer (Neau- murscher Scala) nicht unter 20 Grad. Wir hatten Nächte, in denen es sich auf noch höherem Standpunkte erhielt. Mit dieser Glnt verglichen war der Anfang dieses Monats kühl zu nennen. Dennoch ist die Vegetation üppig, und die vielen Glasfläche» zeigen sich minder verbrannt, wie in andern Jahren, wo eine andauernde Hitze herrschte. Im Publicum redet man viel von Eisenbahu- projecten, nud es ist gewiß, daß nach Ablauf der politischen Krisis hier eine Epoche von großer industrieller Unteruehmnngslnst beginnen wird.
Ans Berlin.
In den wirklichen Staatsgeschäften haben wir einige Zeit Muße gehabt, da die große Frage, welche gegenwärtig ganz Europa bewegt, iu Berlin wol kaum gefordert werden könnte. Wir haben die Zeit theils zum Ausdruck unserer Sympathien, theils zu kleinen Intriguen benutzt.
Wir sind gewiß sehr damit zufrieden, daß der preußische Staat seine große Vorzeit nicht vergißt; wir wünschten im Gegentheil, daß er sich lebhafter und dauernder daran erinnern möchte. Gewiß waren sowol die Tage der Schlacht bei Roßbach, als der Schlacht bei Großbeeren Tage unvergänglichen Ruhmes für unser Volk, und es ist erhebend für jedes preußische Gefühl, daß, wenn auch nur im Spiel, das Bild jener glorreichen Vergangenheit uns wieder aufgeht; aber wir finden die bestimmten Sympathien, die man in diesem Augenblick damit ausdrückt, wenigstens einseitig. Als wir bei Roßbach die Franzosen schlugen, hatten wir es zugleich mit den Russen und Oestreichern zu thun, nnd wenn wir auch mit Recht diejenigen Erinnerungen schlummern lassen, die jene beiden Staaten, nachmals unsere treuen Verbündeten, kränken könnten, wenigstens es vermeiden, diejenige Seite an ihnen hervorzuheben, die eine solche Kränkung veranlassen könnte, so ist doch wenigstens gegenwärtig kein Grund vorhanden, grade Grenzboten. III. 48S3. 63