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Er liebte gute Kost: doch schien ihm die Zeit verloren, die man bei Tische verbrachte, nnd er wünschte, daß, indem man des Morgens einen Bissen verschlang, man den ganzen Tag nicht mehr vom Hunger geplagt werde. Heute ist man Feinschmecker und rühmt sich dessen. Zur Zeit Beyles machten die Männer auf Energie uud Muth Anspruch. Wie sollte man auch zu Felde ziehen, wenn man Gastronom ist.
Die Polizei des Kaiserreichs drang überall hin, wie man behauptete, und Fvuche wußte alles, was man in den Salons von Paris sagte. Beyle war überzeugt, daß dieses riesenhafte Spionirsystcm seine geheime Gewalt behalten habe. Er umgab sich auch mit den kleinlichste» Vorsichtsmaßregeln selbst für die gleichgiltigsten Handlungen.
Niemals schrieb er einen Brief, ohne mit einem erdichteten Namen zn unter- zeichnen: Cesar, Bombet, Cotvnet n. s. w. Er datirte seine Briefe ans Abeille statt aus und oft begann er mit einer Phrase wie folgende: „Ich habe Ihre rohe Seide empfangen und habe sie in die Magazine bringe» lassen, bis sie eingeschifft werden soll."
Alle seine Freunde hatten einen Kricgsnamen und niemals nannte er sie anders. Niemand wußte genau, mit was für Leuten er verkehrte, was für Bücher er" geschrieben, was für Reisen er gemacht hatte.
Ich bilde mir ein, daß irgend ein Kritiker des zwanzigsten Jahrhunderts die Bücher Beyles entdecken werde unter dem Wüste der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts, um ihnen die Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die sie bei ihren Zeitgenossen nicht gesunden. So ist Diderots Ruf im neunzehnten Jahrhunderte großer geworden, nnd so wurde Shakespeare, vergessen zur Zeit von Saint- Evremont, durch Garrick wieder entdeckt. Es wäre zu wünschen, daß die Briefe Beyles eiues Tags veröffentlicht würden; sie würden einen Mann bekannt und lieben machen, dessen Geist und dessen vortreffliche Eigenschaften nur mehr im Gedächtnisse einer kleinen Anzahl von Freunden lebten.
Das Christenthum und die Religion der Zukunft.
Christenthum und Humanismus. Oder das religiöse Bewußtsein Jesu und die Erlösungsthatsache des Christenthums. Von Ludwig Noack. Rudolstcidt. Fröbel. —
System des christlichen Lebens. Von vr. Wilhelm Böhmer, Professor der evangelischen Gottesgcl-ihrtheit und Consistorialrath zu Breslau. — Berlin, Korn.
Zu verschiedeuen Zeiten hat man sich Mühe gegeben, die abweichenden Bil- dungselemente, aus deren Neutralisation in unserer Zeit dasjenige hervorgegangen