Beitrag 
Aus Berlin.
Seite
307
Einzelbild herunterladen
 

307

Mit dieser Hindeutung voll tadelnden Beigeschmacks ist unstreitig der be­kannte Brief AorkS nach dem 2-1. September 1808 gemeint» der mit den Worten beginnt: .Der Mann (Stein) ist zu unserm Unglück in England gewesen uud hat dort seine Staatsweisheit hergeholt ..." Die allerdings höchst merkwürdige Epistel, die vom Anfang bis zu Ende in der Krenzzeitung stehen konnte, hat den resiguirten Schlußsatz:Zu einer siciliauischen Vesper oder zu einem Kriege auf die Vendeeweise ist der Deutsche eben nicht geeignet. Wie wäre auch in unserm flachen Lande so etwas möglich. In der Lage, in der wir uns befinden, ist ruhigeö Abwarten der politischeu Verhältnisse das klügste und sicherste, den Feind aber auf eigene Gefahr herauszufordern, wahrer Uusinn."

Das klingt zwei Jahre nach der Schlacht von Jena und ein Jahr nach dem Tilsiter Frieden auffällig genug-. Dem wackern Krieger und schlechten, damals wenigstens herzlich schlechtem Politiker, waren über die Ursache des Uebels noch immer die Augeü nicht aufgegangen. Sein Groll war auch durch Steius vou Napoleon durchgesetzte Entlassung nicht besänftigt. Er schrieb unterm 26. No­vember 1808:Ein unsinniger Kopf ist schon zertreten; das andere Natterngeschmeiß wird sich in seinem eigenen Gift auflösen!!"

Mit welchem Bchageu mögen die Herreu Gerlach uud Genossen solche hypo­chondrischedivinatorische" Ausfälle lesen. Sonderbar-, daß vier Jahre später derselbe Dort bei Tauroggen ein heroisches , unsterbliches Werk vollbrachte, welches der König nicht befohlen hatte daß die Befreiungskriege derBewegung vom Volke aus," ja zum Theil der geheimen äntinapoleonischen Verbindungen doch nicht gaüz entrathen konnten, daß endlich Gneiseüau, dessen Urtheil Herr Stahl wol nicht durchaus verwerflich finden dürfte, über Stein in einem Briefe an Arndt im Sommer 181 i schrieb:

Diesem edelsinnigen Deutschen verdanken wir viel. Er war fast der Einzige» der mir in Vertheidigung der Behauptung beistand, man müsse nach Paris gehen uud könne nur dort den Frieden erobern. Möchte man ihn ferner gehört haben und noch ferner hören wollen! Abe^r die Schwachen nnd die Boshaften stehen im Bund gegen ihn; jeue fürchteu ihn, diese hassen ihn. Die östreichischen Diplomaten besonders halten ihn für einen bos­haften Satanas und möchten ihn ans ihrer Gegenwärt heraus exorcifiren!"

Aus England.

Die Erklärungen Lord Clarendons im Ober-, und Lord Rüssels im Unter­hause werden wol die einigermaßen beruhigt haben, die in der vorsichtigen Politik

*) Als die erste Äachricht tack, rief der König:Da möchte euien ja der Schlag treffen was ist iinn zn thnn?"

39*