Contribution 
Neue Lyrik.
Page
297
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

397

Neue Ly r i k.

Habana. Lyrisch-epische Dichtung von Adolf Böttgcr. Leipzig, Costenoblc. Rudolf von Wcrdenberg im Freihcitskampf der Appenzeller von Thomas Vorn­hau ser. Frauenseld, Vcrlags-Comptoir. Gedichte von Baucrnseld. Leipzig, Brockhaus.

Aus dem Haus. Lieder und'Bilder ans dem Familienleben von Nndolf Ansbach, Gummi.

Die katholische Kirche, dargestellt in einem Cyklus lyrischer Gesänge von Chr.

Wicucnbrügge. Trier, Gall. Spätherbst-Blüten. Dichtungen von Joseph Bauberger. BreSlau, Maske. Lieder, Schleswig-Holstein geweiht, von V. P. Bremen, Geister. Patriotische Gedichte von Victor Precht. Zweite Sammlung. Der Ertrag

für den Zweck des Altonaer Hilfsvercins. Bremen. Geister. Gedichte von Robert Harrmcinu. Mainz, Zabern. Lindenblüthen gesammelt von Minna Zimmcrmann. Königsberg, Theile.

Es ist »och nicht sehr lange Zeit her, daß wir eine ganze Reihe neuer lyrischer Gedichte besprachen. Wir haben seitdem immer wieder von Zeit zu Zeit einiges Neuere dem Pnblicum vorgeführt, trotzdem aber hat sich der Vorrath doch wieder ziemlich stark angehäuft.

Wir betrachten zuerst die beiden erstgenannten Gedichte, die wenigstens theilweise an den Charakter des Epischeu streifen. Herr Bvttger hat ein nicht gewöhnliches Talent für dasjenige, was wir vor einiger Zeit als die Hauptsache beim romantischen Epoö angaben, für die beschreibende Poesie. Einzelne Land- schaftSschilderungen in diesem Gedicht siud vortrefflich ausgeführt, und es scheint uuö nur, als ob er zu leicht producirt und es daher selten zu jener strengen, energischen Cvnceutrativn kommen läßt, die doch anch vorhanden sein muß, um das Interesse rege zu erhalten. Es ist nicht gilt, daß er sein Gedicht in kleine Romanzen zersplittert hat, und daß er diese noch mehr dnrch das abweichende Versmaß markirt. Der Nythmuö muß im romantischen Gedicht ein gleichmäßiger sei», um Stimmung und Färbung zu behaupten; den Wechsel iu deu Empfinduu- gen muß der Inhalt selbst geben. Ihm durch die Veränderung der Verse zu Hilfe zu kommen, ist nnr eine scheinbare Erleichterung. Ferner muß sich die Masse des Gedichts in größeren Gruppe» gliedern. Das ist schon darum nützlich, weil der Dichter damit ei»e» heilsame» Zwang gegen sich selber ausübt. Je fester der epische Stamm ist, um den sich die Blütenmasse der Schildernngen rcmkt, desto freier kann sich der Dichter in dieser Beziehung bewegen; sobald die Handlung ans-, einandersällt, verlieren auch die-Schilderungen ihr eigentliches Interesse. Außerdem ist die Form nicht gcmz cvrrect, wie z. B. in de» folgenden Stropben: Grenzboten. III. Z8