Beitrag 
Correspondenz.
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

237

verschiedenen Terminen eingelöst werden sollen, so ist nicht abzusehn, welche dauernde Hilft das Ministerium sich dadurch schaffen will, salls es bis dahin nicht die Cortcs einberuft und von diesen eine Anleihe bewilligt erhält. Die schwebende Schuld, welche dein jetzige« Finanzministcr, wie seinen beiden Vorgängern Bcrmudez de Castro uud Llorente, so viele Sorge macht, ist zum größten Theil eine Erbschaft, die Bravo Mu- rillo dem Staate vermacht hat. Als Narvacz zurücktrat, bcmig sie 100 Millionen Realen. Bravo Murillo, dessen Finanzwirthschaft eine Zeitlang höchlich gepriesen wurde, brachte sie in weniger als 2 Jahren auf mehr als 300 Millionen Realen, zu welchem Belauf sie noch gegenwärtig — genau 327 Millionen Realen oder fast 22.000,000 Thaler — besteht. Es scheint unmöglich, sie anders, als durch eine An­leihe, die sie ans die allgemeine consolidirte Staatsschuld überträgt, zu tilgen.

Der Staatsrath, der unter dem Einflüsse Martine; de la Rosas eine sehr lobens- werthe, verfassungstreue Haltung beobachtet, hat unter anderm kürzlich entschieden, daß der ehemalige Gouverneur von Saragossa, Simon de la Noda, wegen gesetzwidriger Beeinträchtigung der Wahlfreiheit bei den letzten CortcSwahlen zur Verantwortung ge­zogen werden solle. Inwiefern die Regierung dem frühern Beschluß des StaatSraths, der alle Eiscnbahncvnccsfionen an die Cortes verweist, Folge geben wird, steht bis jetzt dahin. Da das betreffende Departement, das des Handels und der öffentlichen Ar­beiten, jetzt in den Händen Moyanos, des vor kurzem so stürmischen Oppositions- abgcordncten ist, so würde eine Jnfraction der Rechte der Cortes diesen Mann, der sich durch seinen Eintritt in das Cabinet schon nicht wenig compromittirt hat, mit unauslöschlicher Schande bedecken. — Antonio de los Nios Rosas, der von Murillo aus dem Staasrath entfernt, kürzlich wieder rehabilirt wurde, hat von ncnem seine Entlassung eingereicht, die nach einiger Zögerung angenommen wurde. Der Rücktritt dieses entschlossenen Politikers, der der liberalen Nnauee der modcrirtcn Opposition an­gehört, beweist, daß zwischen dieser nnd dem Cabinet Lersundi noch keine Verständigung eingetreten ist. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß die constitutionellen ModeradoS den theils unfähigen, theils zweideutigen Händen der jetzigen Minister jemals die Ver­tretung ihrer Politik anvertrauen sollten. — Herr Llorento hat nnn doch den Ge- sandtschastspostcn in Kvnstantinopel angenommen und ist bereits dahin abgegangen, wo übrigens keine diplomatischen Lorbeeren seiner harren dürsten. — Erwähnenswert!) ist, daß vor kurzem die Eisenbahn, die Madrid mit Aranjncz verbindet, von letzten» Orte weiter bis Tcmblcque, aus der Straße nach Andalusien, eröffnet wurde, sodaß von der spanischen Hauptstadt aus jetzt eine Bahnstrecke von ungefähr 12 deutschen Meilen sich er­streckt, ein zwar noch geringer, unter den obwaltenden Verhältnissen aber immerhin beachtenswerther Ansang.

Wochenbericht.

Musik. _ Ferdinand Hiller ist in Köln eingetroffen und wird seinen blei­benden Ausenthalt daselbst nehmen. —

Sophie Cruvelli wird die nächste Saison nicht in Paris singen, da sie ein glänzen­des Engagement in Madrid angenommen hat; die Gage beträgt sür acht Monate 1 S0,000 Fr.