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Der Proceß Gonzaga.
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ihrer nicht für mich. P. Sie sind Großmeister, weil Sie Gonzaga sind und Gonzaga, weil Sie Großmeister sind. Warnm haben Sie einem Ausweisungsbefehl nicht Folge geleistet? A. Als ich von diesem Befehl Kenntniß erhielt, ging ich zum General Rogner, er sagte mir, daß er mit dem Prinzpräsidentcn sprechen werde. Ich begab mich zum Polizeiminister. Man sagte mir, daß ich 2 bis 3 Zeugen haben müßte und daß ich bleiben könne. Ich hatte neun Certificate. Wenn man mit meinen Certificatcn nicht zufrieden war, konnte man mir sagen: Packen Sie sich.

Der Staatsanwalt führt unn des weitern die Anklage aus, indem er die ans den Zengenaussagen vorliegenden Punkte der Reihe nach durchgeht. Aus seinem Reqnisttorium ist zu entnehmen, daß der Angeklagte, für den er keinen andern berechtigten Namen, als den Vornamen Alexander weiß, und dessen frühere, wirkliche Geschichte schlechterdings dunkel ist, zum ersten Male 1832 in Wnrtem- berg mit einem Passe ans den Namen Murzynowski auftaucht, sich dort erst den Grasentitel und dann den eines Prinzen v. Gonzaga beilegt, sich mit der Tochter eines Weinhäudlers verheiratet, sie unglücklich macht und gegen Zah­lung von 1000 Gulden sich znr Scheidung versteht. Er habe sich damals mit Genealogie und Wappenkunde beschäftigt und wahrscheinlich seine Verwandt­schaft mit den Gonzagas erfunden. Im Jahre 1836 will er sich als Prinz v. Gonzaga mit einer Prinzessin Cantatuzeno vermählen, als die östreichische Polizei sich hineinmischt und ihn verjagt. Die polnische» Flüchtlinge in Würtemberg hatten ihn für einen russischen Spion gehalten. Schließlich habe er eine offene Boutique ,vou Decorationen gehabt. Er habe sich einen Kanzler Namens Per- diguier gehalten, den er aus einem simpeln Commis einer Wein- oder Kohlen­handlung zum Marquis umgeformt und einen Herrn Larbin zum Baron ge­macht, der, so zu sagen, ein Wechsler aller Arten von Ordenskreuzen gewesen. Unter den Personen, welche diese Kreuze genommen haben, fügt der Staats­anwalt hinzu, könnten wir, ich weiß es, sehr ausgezeichnete Namen nennen. Die Vertheidigung bedroht uns damit . . . Aber was beweißt dies? Daß die betrügerischen Manöver dieses Menschen nicht blos der Art waren, um gewöhn­liche Geister zu täuschen, sondern anch die aufgeklärtesten Männer zu blenden. Man gab den Pairs von Frankreich und den Generälen die Kreuze umsonst, welche man den Juwelieren und Casserollenhändlern verkaufte.

Ehe die Vertheidigung das Wort ergreift, wird noch Herr Cevallos, ehe­maliger Offizier im Dienste des Don Carlos, gehört, der gegenwärtig im Hofstaat der Kaiserin angestellt ist. Derselbe bezeugt, das ihm der General Cabrera über den Augeklagten gesagt habe:Er präsentirte sich als Prinz v. Gonzaga und französischer Oberstlieuteuant. Man glaubte ihm nicht, der Plump­heit seiner Manieren wegen. Aber eines Tages gab man ihm, um ihn auf die Probe zu stellen, einem Lanziersregiment bei, das eine Attaque machte; er war der erste, der zurückkam."