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Reiseliteratur.
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daß im Moralcodex der Kolonisten das Wortbetrügerisch" gar nicht existirt, sondern nur811m" d. h.knapp".

Eine üble Gewohnheit, die jedoch einigermaßen durch die Nothwendigkeit ge­rechtfertigt wird, ist das Ausschmieren der Zimmer mit Kuhmist. Der Preis des Holzes im Innern ist so hoch und die Einfuhr so spärlich, daß mau fast nirgends ein gedieltes Haus findet. Die Fluren bestehen daher aus geschlagenem Thone, wie in unsern Scheuern. Da aber der Thon nicht fett ist uud sehr bald zu locke­rem Staube wird, überschmiert man die Flnr gewöhnlich zweimal wöchentlich mit dünnem Kuhmiste, ein durchaus nicht so ekelhaftes Mittel, wenn die Weioe grün ist und die Tage heiß sind. Immer hat jedoch die üble Folge, daß eine Unzahl kleiner Flöhe in das Haus kommt, die wie die Teufel beißen und sich zu Millionen in dem Kuhmiste zu erzeugen scheinen. Andere haben die Gewohnheit, den Mist mit Blut zu mengen, was auch in der That eine bei weitem härtere Flnr macht; allein der Gestank dieser Mixtur, selbst wenn gehörig getrocknet, ist unausstehlich. In den Dörfern ist Kuhmist oft selten und nichts ist possierlicher, als, wenn einige Rinder in das Dorf kommen, die Manoeuvres mehrer Dienst­boten zu beobachte«, den Preis davon zu tragen.

Wochenbericht.

Aus Varna. 1. 19. Juni. Es ist ein ausnehmend interessanter Ort, aus dessen Mauern ich Ihnen heute schreibe. Von außen und namentlich seewärts gesehen, nimmt sich das Ensemble der Häuser, die mit ihren Ziegeldächern äußerst sauber und in dieser Hinsicht von den Wohnungen in andern türkischen Städten unterschieden, über die weißen FestungSmauern hinausragen, ziemlich kleinlich auS; indeß wohnen nicht weniger als 12,000 Menschen darin, die Straßen sind eng, wirklich aber dennoch freund­licher als man sie sonst wol im hiesigen Lande anzutreffen gewohnt ist. Das macht der Handel, der rege Verkehr mit europäischen Seestädten. Warnas Nhcde liegt den Nord- und Ostwinden offen und ist darum nicht sicher, aber sie erlaubt den Fahrzeu­gen, ziemlich dicht an die Stadt heranzulegeu, da die Seeticse bedeutend ist. Nur die Dreimaster und großen Dampfer halten sich auf der Anßen-Rhcoc zurück.

Als Festung hat Varna die Bedeutung eines Sperrpunktes. Nicht nur führt eine sehr wichtige Straße von Silistria über Varua gegen die östlichen Küstcnpässe des Bal­kan, sondern eine zweite Straße, welche von Rustcndsche ausgeht, vereinigt sich mit der ersteren noch vor der in Rede stehenden Festung bei Basatschin. Sodann ist hier der Ausflußpuukt des Dewnosccs, der die Mauern der Stadt bespült und vom Meere nur durch einen schmalen Küstcnstreis getrennt wird, welcher somit in derKehle" der Festung liegt. Ueber diesen Streifen, also zuvor durch den Platz muß alles passircn, was aus dem Norden Bulgariens, der Küste nachgehend, gegen den Balkan sich bewegt. Im andern Fall würde der Dewnosee, der mit seiner Längenrichtnng auf die Pontische