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Die Forderungen Rußlands an die Türkei.
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tik die Flanken decken nnd erst in der letzten Alternative dafür das Schwert ziehen. Denn mit dieser Art zuwartender Politik würde Preußen, insofern es nicht schon früher die russischen Ansprüche zum Obsiegen brächte, schließlich sich doch sür oder gegen erklären müsse», und da dürste nach der Kreuzzeitung seine Entscheidung nnr für Rußland ausfallen. Zuweilen verdreht das fromme Blatt auch nach altbeliebter Art die Augen und faßt die Frage von der christlichen Seite auf. Preußeu, sagte es au einer Stelle, dürfe in keinem Fall für Maho- med und gegen Christum fechten, eine Albernheit, wie wir uns in der That nicht erinnern, selbst je im Rnndschauer eine gleiche gelesen zu haben. Selbst wenn

" wirklicher Fanalismus eine Partei die Rücksichten ans Land und Volk bei Seite werfen läßt, wird sie dem gerechtesten Verbiet nicht entgehen. Wie soll man aber die plumpe Komödie bezeichnen, die unter dem Deckmantel eines erheuchel­ten Fanatismus den Zwecken einer vaterlandsfeindlichen Selbstsucht fröhnt?

Die Krenzzeitung hat, als sie die Rückkehr Preußens in das östreichische Bündniß befürwortete oder vielmehr anpries und wir wollen hier nicht er­wähnen, mit welchen Opfern prenßischerseits sie vollzogen wurde unaufhörlich vou den Vortheilen gefabelt, die für beide Mächte wie für ganz Deutschland daraus' hervorgehen würden. Wir sehen je.tzt, wie sie diese Vortheile verstanden hat. Nicht die Emancipation der beiden großen deutschen Cabinete von dem Einfluß Rußlands wollte sie damit erzielen, nein, sie suchte nur die Garantie darin, diesen Einfluß zu festigen und nnbrechbar zu machen. Denn wer den deutschen Großmächten znmutheu kann, in dieser Lebensfrage europäischer Politik Rußland deu Steigbügel zu halten, ihm den Weg zu einer Universalmonarchie zu bahnen, die drückender, als die des spanischen Philipp, und dauernder, als die Napvleonische auf Europa und namentlich auf Deutschland lasten würde, wer von ihnen verlangt, die Unabhängigkeit unserer Nachkommen der moskowitischen Län-

- dergier zu überantworten, der muß von einer Solidarität zwischen Deutschland und Rußland ausgehen, die keine Ausnahmen gestattet. Und diese Menschen wagen es noch, den Namen Friedrichs des Großen in den M»»d zu uehme», der den letzten Mann und den letzten Thaler eher daran gesetzt hätte, als daß er den Russen die Straße nach Konstantinopel ebnete.

Aus Engla n d.

Die orientalische Verwickelung nimmt immer noch die öffentliche Auf­merksamkeit vorwiegend in Anspruch uud alle inneren Angelegenheiten treten vor ihr in den Hintergrund. Das Rundschreiben Nesselrodes an die russischen Gesandtschaften ist jetzt auch in England bekannt geworden, und wird lebhaft

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