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' Sollte aber Rußland wirklich den Krieg wünschen können? Nehmen wir an, Oestreich und Preußen würden sich an seine Seite stellen, ohne Berücksichtigung ihrer sonstigen Interessen. Nehmen wir ferner an, es würde der Krieg nicht in die Revolution umschlagen, sondern Italien, Polen und Ungarn würden rnhig zusehen, wie man sich unten am schwarzen Meere die Kopse einschlägt. In diesem Falle frägt es sich, ob Rußland es wagen könne, den Kampf anzunehmen. Seine Flotte müßte es gradezu als verloren erachten — im Kaukasus müßte es offenbar eine fünfundzwanzigjährige Arbeit aufgeben, denn es ist klar, daß die Franzosen nnd Engländer nichts eiligeres zu thun hätten, als die cir- kasfischen Festungen zu schleifen und den Tscherkessen Waffen nnd Munition zu geben. Was aber den Krieg Rußland fast ebenso unangenehm machen muß, das ist der Umstand, daß es unter den gegenwärtigen Verhältnissen Frankreich, das heißt dem Kaiser der Franzosen, in den Angen der eigenen Nation und in den Augen Enropa's eine Stellung verschaffte, die er nach einer glücklichen und weisen Regierung von vielen Jahren nicht erreichen könnte. Was hatte die Cou- tinentalpolitik seit dein Kaiserreiche zu bedeuten? Was war das Ziel aller ihrer diplomatischen Bestrebungen? Man wollte Napoleon III., dem man nicht traut, isoliren, mau wollte ihm seine etwaigen Eroberungsgclüste vertreiben. Und da sollten Rußland, Oestreich nnd Preußen es gern sehen, es zugeben können, daß Napoleon als Kämpe einer gerechten Sache anftrete und, einmal 'das Schwert in der Hand habend, sich damit bescheiden sollte, es wieder aus eiuen Wink der gnädigen Herrschaften aus der Hand zu legen? Die europäischen Diplomaten, die uuter der Hand der Legitimisten oder der Orleanislen Hoffnungen sür die Zukunft gemacht, sollten nun muthwilligerweise eiuen Stand der Dinge herbeiführen,, der geeigneter wäre als alles, Napoleon die Hälfte seiner Gegner im Lande zuzuführen? Das wird weder der Kaiser von Rußlaud wollen, noch kann es Oestreich oder Prenßcn. Ich kann also mit dem besten Willen keine kriegerische Constellation vom politischen Himmel herunteMcn und ich werde an den Krieg nicht eher glanbcn, als bis die beiden Flotten die Dardanellen pasflrt haben.
Aus Konstatttinopel.
6. Juni.
Seit meinem letzten Briefe find die hiesigen Dinge ziemlich im Statusquo verblieben. Indeß hat eben das dazu beigetragen, die Möglichkeit eines Kriegs mit Rußland näher zu rücken. Die türkische Flotte hat den Ankerplatz am alten Serail verlassen nnd Stellnng in der Bucht von Büjük-dere, am Eingänge des Bosporus, genommen. Im Augenblick mögen dreißig größere und kleinere Kriegs-