Beitrag 
Deutschland und die orientalische Frage.
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

IS

Schwerer würde es freilich sein, zu bestimmen, nach welcher Richtung hin gegen Rußland die orientalische Frage entschieden werden sollte. Denn so schlimm es ist, leugnen laßt sich nicht, daß die Herrschast Rußlands die natürliche Folge des Zerfalls der Türkei sein würde. Ein unabhängiges, föderatives Staatensystem würde sich zwar in jenen Gegenden herstellen lassen, sobald man nicht, wie bei dem unglücklichen Experiment in Griechenland, einen bureaukratischen Staat her­stellen wollte. Einem solchen würden Slaven und Griechen vielleicht die alte Herrschaft der Paschas vorziehn.

Pariser Brief.

Wir wollen die Besprechung der Sculptur der KIs und Mies <Zs inardrs im Salon, wie der Mss äs marln-s vom Vaudeville, für einen nächsten Brief aussparen und uns heute ein wenig mit der orientalischen Angelegenheit und ihren Beziehuugeu zu Frankreich beschäftigen. Daß wir nicht an den Krieg glauben, und vorläufig noch weniger an die Theilung der Türkei, trotz des Te­stamentes von Peter dem Großen, das haben wir schon in unsern frühern Brie­fen auseinandergesetzt und' der kriegerisch diplomatische Apparat Englands und Frankreichs, die ungewöhnliche Baisse unserer Börse haben uus auch nicht in unsern Friedcnsansichten erschüttert.

Wir glauben, Frankreich wünscht nichts sehnlicher, als sich mit Rußland wie­der gut zu stellen und daß es trotz seiner Allianz mit England und trotz seiner Rüstungen doch alles thun werde, um dem Zaren seine freundschaftlichen Ge­fühle zu beweisen. Napoleon kann in diesem Augenblicke nicht den Krieg wollen. Er hat alle seine nächsten Zukunstsplane auf die Festigung im Innern abgesehen, dies beweist jeder Act seiner Regierung seine Interessen siud vorläufig noch identischer mit jenen der Börse als die von Louis Philipp es gewesen. Er braucht den Frieden, um seine srischgeworbenen Anhänger des Eigenuutzes nicht zu verlieren. Er braucht den Frieden, um die kanm flott gewordene Industrie nicht wieder gegen sich in Harnisch zu bringen. Worauf es Frankreich ankom­me» muß, das ist, als Kaiserreich durch eiuen diplomatischen Act in den Staaten- congreß eiuzutreteu, das ist, den Coutinentalmächten zu beweisen, daß wenn sie sich noch so sehr zusammenthun, noch so sehr gegeu das Kaiserreich zu barrikadiren und zu alliiren suchen, sie den neuen Kaiser nicht blos durch unwillige Erklärungen an­zuerkennen, sondern daß sie bei jedem wichtigen Acte mit ihm zn rechnen haben. Dazu dient aber die englische Allianz vortrefflich denn durch seine friedlichen Vergleiche ist Frankreichs Haltung eine Achtung gebietende geworden und beim Kriege ist sie eine nicht minder zu berücksichtigende.