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Wochenbericht.
Aus England. Gerüchte von Spaltungen im Cabinet füllen alle Opposi- t!o»sblätter, d. h. diesmal die Torypressc, und nach der Haltung der dem Ministerium befreundeten Blätter zu urtheilen sind wirklich Meinungsdiffercuze» vorhanden, obgleich sie nicht so gefährlich sein mögen als die Gegner wissen wollen. Das einzige äußerliche Zeichen einer Spaltung war der zeitweilige Anstritt der irischen Mitglieder Keogh, Monsell und Sadleir in Folge einer sehr scharfen Aeußerung Lord I. Russclls über die geringe Loyalität der irischen katholischen Kirche. Da Lor^ Aberdeen jedoch erklärte, daß Lord Russell nur seine Privatmeinnng und nicht die des Cabincts ausgesprochen habe, und Russell selbst seine Aeußerung etwas modificirte, so nahmen die Herren ihr Entlassungsgesuch zurück. Die aus diesem Vorfall gezogene Folge: daß diese wieder- gehcilte Spaltung nur das Vorspiel zu einem gänzlichen Bruch sei, weil sich der whiggistische Theil des Cabinets von den Pceliten unterdrückt sehe, scheint uns übertrieben zu sein. Die sehr verschiedene Art, in welcher der an den «»Katholischen Whiggrundsätze von 1688 festhaltende Lord Rüssel einerseits, und die in dieser Hinsicht weit liberaleren Pceliten andererseits die katholische Frage auffassen, ist längst bekannt. Ebenso bekannt ist, daß diese Mcinungsdiffcrenz ausführlich von den Führern besprochen worden ist, bevor die Koalition zu Stande kam; daher kann es für Rüssel nichts Neues sein, daß das Cabinet nicht geneigt sei, die von ihm selbst durch den Dnrhambries nnd die katholische Tittclbill angebahnt Politik fortzusetzen, Er nnd seine Freunde stehen daher in diesem Punkte noch genau so zu ihren weniger antikatholischcn College» im Kabinette, als in der erste» Stunde des Ministeriums. Andere Gerüchte, wie Uneinigkeiten über die in der türkischen Verwicklung zu ergreifende Schritte, oder gar über die Parla- mcntsrcformsrage, finden wir uns nicht veranlaßt für gegründet zu halten. Leugnen läßt sich übrigens nicht,'daß die Stellung des Ministeriums weniger glänzend ist, als vor einige» Wochen. Die große füiaiiziclle Maßregel Herr» Gladstones, die Conversion des einen Theils der Staatsschuld, hat nicht den Erfolg gehabt, den die anerkanntesten Autoritäten in Fmcmzsachc» vrophezcihte». Hauptschuld daran ist die starke Alteration des Geldmarktes, die im Laufe einiger Wochen in Folge des drohenden Conflictes Oesterreichs mit'der Schweiz und der türkischen Wirre» eingetreten ist. Die Capitalien halte» sich ängstlich vom Geldmärkte fern, und die Bank erhöht den DiSconto, der vor sechs Monate» »och Z Proz. war, bis aus Proz. Bei einem solchen Zinsciisatz ka»» natürlich der Schatzkanzler, der mir 2^ P^Z- giebt, keine große Geschäfte nmchen. Auch der niedrige Stand der Papiere, ebenfalls eine Folge der politischen Ereignisse der letzte» Woche, macht es dem Besitzer vorthcilhast, sich den Nominalwerth derselben in baarem Gelde anszahlcn zn lassen. Eine cmdcre wichtige u»d lcmgbespro- chene Maßregel der Rcgieruug, die Bill z»r neuen Einrichtung der Regierung Ostindiens, hat nicht den Erwartungen entsprochen, die man gehegt hat. Das Vorgeschlagene befriedigt nicht, weil es den Hanptübelstand der doppelten Verwaltung durch zwei Behörden, welche thatsächlich jede Verantwortlichkeit aushcbt, fortbestehen läßt. Da diese ebenso wichtige als interessante Frage sür den Raum eines Briefes zu weitschichtig ist, auch die Vorschläge der Regierung während der Debatte voranssichtlich noch manche erhebliche Abänderungen erleiden werden, so ersparen wir uns vicscn Gegenstand für einen besondern Artikel. Die heftigsten Angriffe hat das Cabinet wegen seines zögeriiden Auftretens i»