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Aus Constantinopel.
1. 16. Mai.
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Die Gerüchte, welche ich Ihnen nachträglich in meinem Briefe vom 12. d. M. mittheilte, haben sich nur theilweise bestätigt. Im Besonderen war die Nachricht von der bereits erfolgten Abreise des Fürsten Menschikoff ein Irrthum. Veranlassung dazu war der Umstand geworden, daß der russische Botschafter sich auf dem Dampsbote „Bessarabia" eingeschifft, und, wie mau sich erzählt, aus Sonderbarkeit, oder ans Berechnung, am Bord übernachtet hatte.
Dagegen hat Alles, was über die obwaltende Krisis von mir geschrieben wurde, seine Nichtigkeit. Mein Brief vom 12'. ging in einem Momen-t ab, der zu den bewegtesten und drangvollsten gehört, iu deuen sich die Negierung dieses Landes jemals befunden. Verschiedene Truppenabtheilungen hatten Befehl zur Einschiffung bekommen; die Dampfer, welche bestimmt waren, sie überzuführen, legten aus die Rhede hinaus. Am Nachmittag versammelten sich die Minister in jenem feenhaften Marmor-Kiosk, der ein Schmuck der Batterie von Toppaua ist, zu einem „Medschlis" oder Cabinctsrath; die Diplomatie war in Bewegung, die Börse vom Schrecken ergriffen; Mehemed Ali Pascha, der Großvezier hatte zum ersten Male die Zuversicht zu sich selber verloren und zeigte sich bedenklich; in den Straßen von Pera standen Gruppen an Gruppen — Alles deutete auf die Nähe eiuer jener Katastrophen, welche unabwendbar in ihrem Wesen über das Geschick von Reichen und Völkern entschieden.
In der betreffenden Berathnng wurde als Proposition für den Kaiser die betreffende Rückantwort oder letzte entscheidende Note an den Fürsten Menschikoff berathen; der Kaiser soll sodann in einer zweiten Divansttznng den Vorsitz geführt, das betreffende Actenstück, welches ursprünglich alle russischen Ansinnen ablehnte, inzwischen aber eine mildere uud weniger schroffe Form erhalten haben.
Ich berechne die Zeit, wo Fürst Menschikoff in den Besitz desselben gelangte auf Donnerstag Abend um acht Uhr; die Ausfertigung des Schriftstücks seitens der kaiserl. Kanzlei war schon in den späteren Nachmittagsstunden erfolgt. Wie sich vermuthen ließ, war der russische Botschafter uicht dadurch befriedigt. Von da an scheint Fürst Menschikoff jede weitere Unterhandlung mit dem Ministerium verweigert, und den directesten Weg, nämlich den einer Besprechung mit dem Souverain selber eingeschlagen zu haben. Es ist bemerkeuswerth, daß hierüber bereits am Freitag den 13. Vormittags etwas im Publicnm verlautete. „Mit diesem Cabinet" hieß es in den Straßen von Pera „unterhandelt der Fürst nicht weiter."
Die türkischen Minister schienen sich inzwischen der Hoffnung zu einer neuen Konferenz hingegeben zu haben, uud erwarteten den Fürsten im Psortengebäude