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Julian. Von Joseph Frhr. von Eichendorff.
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ist sie ihm auch geblieben, und hat ihm keine bitteren Früchte getragen. Trotz unseres verschiedenen Standpunkts können wir uns an seinem harmlosen Spiel erfreuen, und empfinden keinen Augenblick den Zwiespalt der Bildung heraus, der uns bei den übrigen Romantikern so unangenehm wird.

Das osmanische Seewesen.

i.

Außer England wird kaum ein anderer großer Staat dermaßen von mariti­men Verhältnissen beherrscht, wie das osmanische Reich. Hingestreckt über die angrenzenden Räume dreier Erdfesten, nimmt es gleichzeitig eine Zwischenstellung ein, inmitten zweier geschiedener Wasscrwelten, zwischen dem System des atlan­tischen und des indischen Oceans.

Das sind Ranmverhältnisse, für die wir auf der diesseitigen Hemisphäre kein weiteres Beispiel finden, und denen auf der anderen die Weltpvsition von Mexiko und von den Vereinigten Staaten nur bedingungsweise verglichen werden kann. Frankreichs europäische Centrallage, vermöge deren es den Ocean, die Nordsee und das Mittelmeer mit seinen Küsten berührt, und während zweier Jahrhunderte den politischen Schwerpunkt des Kontinents und die geschichtliche Initiative in sich vereinigte, verschwindet neben einer Stellung, mit welcher der Beruf verbunden zu sein scheint, die ausgleichende Mitte der Interessen dreier Erdtheile und zweier Oceane zu sein.

Es ist bemerkenswcrth, daß diese dominirende Position der in Frage stehen­den Räume seither stets nur continental, nicht maritim benutzt worden ist. Das osmanische Reich war, von der Zeit an, wo es Cvnstantinopel seinen Besitzungen einverleibt und hier seinen Mittelpunkt gesnnden hatte, besser situirt wie irgend ein anderer Staat, um eine Weltseemacht zu werden. Indien lag ihm um das Zehnsache näher wie den Portugiesen, die den Seeweg dorthin damals um das Cap" herum suchen mußten; und was von den Portugiesen galt, hatte die nämliche Geltung für alle andern europäischen Nationen. Die politischen Pläne des erobernden Hirten- und Neitervolkes erhoben sich indeß nie zu der Höhe der Entwürfe eiuer Handelsnation. Ja das Meer war in mehr als einer Hinsicht eine seiner Natur und dem Standpunkte seiner Civilisation, nämlich demjenigen eben seßhaft gewordener Nomaden, widerstrebendes Element. Darin, so wie in der Unkunde der Türken im Jngenicurwesen ist es wohl hauptsächlich begründet, daß gleich einer Insel inmitten der Fluth, Constantinopel und der Rest des Griechenreiches sich noch viele Jahrhunderte hindurch als Enclaven des osmcmi- schen Staates erhalten konnten.