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Aus Brüssel.
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Noch bleiben zwei Punkte zu erwähnen. Im nordwestlichen Deutschland ist die Gothaische Partei am schwächsten, die gemäßigte Demakratie sehr stark ver­treten. Die Unterstützung der kernigen misdauernden Niedersachsen, den kräftig­sten der deutschen Stämme, wäre wahrlich nicht zu verachten.

Endlich, und das ist die Hauptsache, würde durch die Verbindung einer Gefahr vorgebeugt, die uus in nicht zu serner Zukunft droht, wenn die revolu­tionären Ideen wiederum die Oberhand gewinnen sollten.

Die gemäßigte Demokratie allein kann sich in solchen Zeiten nicht halten. Suchen die Constitutionellen nicht sich ihr zn nähern, so bleibt ihnen nichts übrig, als sich den Rothen in die Arme zu werfen. Die Gemäßigten würden von den Umsturzmännern bald mit sortgerissen werden und endlich ganz in der socialistischen Fluth untergehen, welche dann ungehindert über Deutschland hereinbrechen würde.

Diesem Dilemma zn entgehen, mögen daher die betheiligten Fractionen nicht säumen, sich zu einem Kompromiß zu verständigen, welches die unbedeutendere Frage bei Seite lassend nnr die großen gemeinschaftlichen Pläne und Ideen vereinbaren müßte. Diese Allianz wäre eine Garantie für eine dereinstige voll­kommenere Gestaltnng des Vaterlandes; als Saat, ans welcher bald der Freiheits- banm des einigen Deutschlands entsprießen würde.

Wir sind es uus zwar nicht unbewußt, wie geringe Beachtung der Stimme des Vermittlers geschenkt wird, ja wie oft seiner Person schlimme Absichten unter­geschoben werden.

Bei der eigenthümlichen, kritischen Lage Deutschlands, bei der großen Mäßi­gung und Intelligenz, die in den liberalen Fractionen herrscht, hoffen wir jedoch, daß wir die Beistimmnng vieler Patrioten erlangen werden.

Unser Zweck war einzig und allein, unseren Landslenten jenen Wahlspruch wieder in Erinnerung zu bringen, an den uns unsere frühere Geschichte fort­während mahnt, und mit welchem unser Nachbarstaat Belgien vor zwei Jahr- zeheuden Freiheit und Unabhängigkeit errang: tVunion tait, lg, koreel*)

*) (Anm. der Red.) Wir geben dieser Ansicht, die uns von befreundeter Seite zu­kommt, gern Raum, müssen aber offen gestchen, daß wir nicht wisse», wie von unserer Seite, d. h. von Seite der constitutionellen Partei, darin etwas geschehen soll; denn wir wissen weder, wo diegemäßigte Demokratie" zn finden ist, noch was sie gegenwärtig für Grundsätze hat. Daß zwischen vernünftigen und patriotischen Männer», welcher Richtung sie auch früher an­gehört haben, eine Verständigung noch immer möglich wäre, davon sind wir freilich überzeugt.