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um ihren Verfolgern zu entgehen. Venus findet wenigstens ein einigermaßen passendes Asyl im Hörselberg, aber Bacchus muß sich mit der schmuzigen Kutte eines Möuchs umhüllen, uud kaun nnr in nächtlicher Weile an geheimer Stätte seine berauschenden Feste feiern, und Jupiter sitzt gar als verkümmerter Eremit in einer abgelegenen Polargegeud, wo er nur mit widerwärtigen Lappländern verkehrt, und sich durch Kauinchenfang das Leben fristet. Es siud einige sehr glücklich ausgeführte humoristische Scenen darin, von denen übrigens bereits ein ziemlich starker Theil früher im ,,Salon" erschienen war, aber die lose uud gänzlich unknnstlerische Zusammenstellnng läßt uuö doch zu keinem rechten Genuß kommen. Wenn man im Einzelnen die Wandelungen der griechischen Götter in christlich-germanische Nacht-Unholde verfolgen will, so giebt darin schon Grimm's Mythologie die reichste Ausbeute, die man gar nicht erst weiter zu bearbeiten nöthig hat. Wenn sich aber der Dichter einen ähnlichen Stoff aneignet, so muß er mehr dazu ihn», er muß ihn idealisiren, und ihm'eine wirkliche Gestalt gebe». Das Talent dazu hätte Heine ganz entschieden; es ist daher sehr zu bedauern, daß die burschikose Nachlässigkeit seiner früheren Schriften, die damals Glück machte, weil sie etwas Neues war, auch iu seiue späteren Poesien übergegangen ist.")
Politiker der Zukunft.
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Die Theologie als Religionsphilosvphie in ihrem wissenschaftliche» Organismus
dargestellt vo» Lndwig Nvack. Lübeck, Dittmar. — Die christliche Dogmcngeschichte nach ihrem organische» Entwickelungsgange, in
gedrängter Uebersicht dargestellt. Ei» Handbuch zum Selbstunterricht. Von
Lndwig Noack. Erlange», E»kc. —
Wir haben im vorigen Artikel einige Projecte besprochen, welche sich auf dem Felde der eigentlichen Politik bewegte». Nicht minder thätig ist die Erfindungskraft in Beziehung auf die Religion, so weil man sich dieselbe als Grundlage staatlicher und gesellschaftlicher Zustände denken kann. Bis vor kurzer Zeit verhielt sich die Schule der jüngeren Philosophie durchaus kritisch und verneinend gegen das Christenthum; jetzt scheint man sich von der Eintönigkeit nnd Unfruchtbarkeit dieses Beginnens überzeugt zu habe», »nd bemüht sich wieder von allen Seiten, positiv zu sein, d. h. man sucht daö Wahre und Bleibende der christlichen
") So eben erhalten wir ein neues romantisches Gedicht von I. v. Eichendvrsf, „Julian", welches eine ähnliche Tendenz hat, und zu interessanten Aerglcichnngcu anregt; wir berichten darüber im nächste» Heft.
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