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Aus Constantinopel.
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Ereigniß schon seit mehreren Tagen. Der Augenblick, in welchem es eingetreten ist, ist ganz der Art, nm seine Wichtigkeit zu erhöhen. Man hört über die Ver­storbene, daß sie an einer langwierigen Krankheit litt; nichtsdestoweniger über­raschte die Kunde von ihrem Ende. Ueber das von ihr erreichte Alter weiß man nichts Genaues; sie scheint in der zweiten Hälfte der Vierziger gestanden zu ha­ben; Andere schätzten sie für älter und rechneten ihr gegen vierundfunfzig Lebens­jahre nach. Ihr Einfluß auf ihren Sohn, den Sultan Abd-ül-Medschid, war der Art, daß sie, so zu sagen, als der zweite Regent des Landes angesehen wurde. Eine Parteifarbe hatte sie schwerlich; obwol es Thatsache ist, daß sie dem alten Schlendrian sehr gewogen und den Reformen feindlich gesinnt war. Wonach sie gestrebt, läßt sich kaum ahnen. Sie war der Mittelpunkt und die leitende Hand für die hiesige Camarilla; im Laufe der Zeiten außerordentlich reich geworden, besaß sie ausreichende Mittel, um in einem Lande, wo Bestechung der wirksamste Hebel für alles Vollbringen ist, ihrem Willen Geltung zu verschaffen. Was sie in ihrem Kiosk zu Beschick-Tasch angehäuft, ihre Palaste, ihre Tschift- liks (Landgüter), ihre Bergwerke, darunter viele Kohlen- und Silbergruben, fallen nunmehr ihrem einzigen Erben, dem Sultan, anheim, von dem man genugsam weiß, daß er sie gebrauchen kann.

Die Witterung ist besser, wie in den letzten Tagen, wenn auch noch kühl Man heizte vorgestern noch in vielen Zimmern, nnd auf den Straßen sieht man die Franken im Paletot, die Orientalen im Pelz. Dagegen haben die Bänme mehrentheils abgeblüht; die Kastanien stehen vollbelaubt und auf den Straßen bietet man in kleinen Körbchen große Gartenerdbeeren feil, auch viele Rosen und Nelken.

Therese Milanoll o.

Das jüngstvergangene Zeitalter ist in musikalischer Beziehung überreich an Virtuosen, aber nur wenigen von ihnen ist es gegeben, den Glanz ihres Namens, der sich zuerst metevrartig ausbreitete, bleibend zu bewahren. Das Erstaunen des Pnblicums über das Talent und die Fertigkeit reicht nur für den ersten Augen­blick aus; wer die Menge dauernd fesseln und sich einen Platz in der Kunst­geschichte erringen will, muß noch etwas anderes mitbringen, jene innere Poesie der Seele, deren Mangel sich durch keine Technik ersetzen läßt. Unter den Künstlern, denen es gelungen ist, nimmt Therese Milanollo eine der ersten Stellen ein.

Sie ist im im August 18Z9 zu Savigliano, einem Städtchen ohnweit Turin, geboren. Sie war noch nicht i Jahr alt, als sie in einer großen Messe durch die ersten Violintöne, die sie hörte, so ergriffen wurde, daß sortan ihr Sinnen und Trachten nur auf diese Kunst gerichtet war. Der Vater nahm ihr einen Lehrer, und ihr Talent entwickelte sich so rasch, daß sie bereits im 7. Jahr (1836)