Die Politiker der Zukunft
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Rußland und das Germanenthnm, von Bruno Baner.
Bei der Windstille, die jetzt in der Politik herrscht, und die es auch dem leidenschaftlichsten Politiker unmöglich macht, an die nnmittelbare Ausführung seiner Ideen zn denken, ist es sehr natürlich, daß von allen Seiten Propheten aufstehen, die sich mit der Zukunft beschäftigen, und die nm so kühner uud zuversichtlicher in ihren Znmuthnngen an die Wirklichkeit sind, je weiter sie die Zeit Hinausschiehe», in welcher dieselben in's Leben treten sollen. Da in der letzten Zeit fast alle Entwürfe der schon bestehenden politischen Parteien gescheitert sind, so ist es eben so natürlich, daß diese Propheten mit einer ziemlich unverhohlenen Geringschätzung auf die „verbrauchten" Staatsmänner herabblicken. Indem sie ihr eigenes System mit den letzten Entwürfen dieser besiegten Parteien zusammenstellen, an denen sie nur die negative Seite sehen, weil sie nur diese aussuchen, gelangen sie leicht zn der Ueberzeugung, daß ihre Ideen, die von diesen bestimmten Fehlern frei sind, nicht blos das allgemeine Heil der Menschheit znr nothwendigen Folge haben müßten, sondern auch, daß sie etwas ganz Neues, uoch uie Dagewesenes enthalten. In dem letzteren Punkt ist die Selbstlänschnng schwer zn vermeiden, denn über den Ursprung seiner Gedanken wird man sich nicht leicht bewußt. Es würde übrigens im Ganzen anch wenig daraus ankommen, denn wenn eine Idee nnr fruchtbar auf die Gegenwart einwirken kann, so ist es gleichgültig, ob sie aus der Reminiscenz, oder aus eigenem Nachdenken entspringt. Aber in einem anderen Punkt ist die Selbsttäuschung gefährlicher. Bei der praktischen Richtung, die überhaupt die Zeit genommen hat, wenden auch diese Politiker der Zukunft in der Regel ihre Aufmerksamkeit ans das Praktische, nnd tadeln au den „verbrauchten" Politikern vorzugsweise, daß sie unpraktisch gewesen seien, daß, statt der Wirklichkeit, ihnen ein einseitiges unbestimmtes Ideal vorge-
Grenzbotm, II. 18SS, 36