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Wochenbericht.
Aus Frankfurt, 20. April. Erst seit etwa acht Tagen haben die Frühlingsboten der Thierwelt, die Wandervögel, ihre Quartiermacher in unsere Gegend gesendet; aber der Hauptzug fehlt noch. Seit noch wenigeren Tagen merkt man es auch dem Wetter an, das; die warme Jahreszeit kommen soll. Die Ostermesse haben wir noch in Schnee und Pelzen abgehalten. Doch schon während ihrer Dauer strömten andere Wanderzüge zahlreicher als je an nns vorüber, welche in ihrer quadratisch progressiven Massenhaftigkeit nach und nach dieselben traurigen Erscheinungen in den verlassenen Landen Europa's erzengen können, wie einst die Völkerwanderungen in den asiatischen Hinterländern. Davon ist freilich heute und morgen nicht die Rede, und manche änßerst kluge Lcnte meinen sogar, die übermäßig gefürchtete Lösung der socialen Frage werde auf solche Weise in eine unberechenbare Zukunft hinausgeschoben. Unsere einfältige Meinung ist dagegen, daß hierbei die locale Verminderung der vielbeschrieenen Übervölkerung viel weniger in Frage kommt, als die Entvölkerung des Verkehrs von jenen relativ kleinen Capitalen, welche dadurch so groß sind, daß sie beständig bis auf den letzten Heller rouliren müssen; eben weil sie zu klein sind, um als festliegender Stock nur mit ihren Zinsen zu arbeiten. Es sind jetzt verhältnißmäßig wenig vollkommen mittellose Menschen unter den Auswanderern, relativ selten auch solche, welche ohne irgend eine klare Anschauung dessen, was sie im jenseitigen Westen wollen, dem allgemeinen Strome folgen. Geistig, von den Auswanderern aus, orgauistrt sich die Auswanderung allmonatlich besser und nur die materielle Organisation von Seiten der Heimath fehlt. Gemcindeweise ist darin auch schon Manches geschehen — d. h. für den einzelnen 'Fall zn einer Handlung des commu- nalen Seltxcivermnelit die Erlanbniß von den Oberbchörden erlangt worden. Aber was geschieht von Seiten der Staaten? Die Schweiz, wo die Auswanderung relativ noch lange keine so tief eingreifende Lebenserscheinuug ist, könnte uns darin ein Beispiel sein. Aber es ist ja die Schweiz. . . . Wann wird es endlich, endlich einmal in Deutschland znm allgemeineren Bewußtsein der regierenden Kreise kommen, daß die Schweiz, namentlich die deutsche und nördliche, aus einem viel Krengeren socialpolitischen Conservatismus herauslebt, als wir? Wann wird man einmal einsehen, daß nur ewiges Antasten und Bemäkeln die Schweiz in jenen scheinbaren Widerspruch gegeu die couservative Solidarität des monarchischen Nachbarlebens treibt? .... Die Zeitungen sagen, der Bundestag werde die Answanderungsfrage in die Hand nehmen. Hier weiß man vor der Hand nichts davon und glaubt uoch weniger an die Möglichkeit. — Dieses ursprünglich von einer „kleinen aber mächtigen" Partei nnd nicht in Frankfurt erfundene Manöver, die Erfüllung dringender Wünsche wie eine vollendete That-