Neue deutsche Romane»
Der Majoratsherr. Von Th. Mügge. Berlin, O. Zanke. 1833. Weihnachtsabend. Roman von Th. Mügge. Berlin, O.Hanke, -1833.
Unter den deutschen Nomanschriftstellerik erfreut sich Th. Mügge eines kleinen angenehmen Rufes, den er zum Theil durch einige sorgfältige Romane früherer Zeit, zum Theil durch seine rastlose Thätigkeit erworben hat. In der That bezeichnet er durch das, was er hat, und durch das, was ihm fehlt, so ziemlich das MW mili-su in der deutschen Romanliteratur unserer Tage. Er hat keine eminenten Eigenschaften und keine ungewöhnlichen Schwächen, seine Erfindung ist behend, seine Darstellung in den neueren Romanen ziemlich flüchtig, sein Stil von zweifelhaftem Werth, aber die Stoffe, welche er wählt, haben in der Regel ein Zeitinteresse, und in seiner Erfindnng ist trotz aller Willkür und Flüchtigkeit doch so viel Zusammenhang, daß der unbefangene Leser in die nöthige Spannung versetzt wird. Es wird Niemand zu tadeln sein, der die Romane von Mügge nicht znr Hand nimmt, wer sie aber aufgeschlagen hat, nud nicht auf den ersten Seiten das Mißverhältniß zwischen seinen Ansprüchen und dem, was der Schriftsteller leistet, zn peinlich findet, der wird sie mit Theilnahme anch bis zum Ende lesen. Mehr als dies sehr bedingte Lob vermögen wir anch den beiden vorliegenden Romanen nicht zu geben. Es ist immer noch mehr, als sich von vielen andern deutschen Romanen sagen läßt.
Der Weihnachtsabend ist der schwächere nnter den Beiden. Er schildert Berliner Verhältnisse der neuesten Zeit. Ein sehr conservativer junger Edelmann aus Pommern, Alfred von Gravenstein, brav, stolz, eckig, wird durch die Tochter einer intriguanten Geheimrathsfamilie angezogen. Der Vater Elisens war im Jahre 48 angesteckt und liberal, nnd ist jetzt ein furchtsamer Heuchler geworden, der die Excentritäten des bösen Jahres unter allen Umständen gut machen will; seine Tochter ist eine herzlose Coquette. Die widerliche Atmosphäre Grenzboten. II. -I8S3. -16