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und einem hinter ihm haltenden Reiterregiment ein. Er sieht sich um, ob die Leute ruhig bleiben. Er nimmt die Dose aus der Tasche, öffnet sie, uimmt eine Prise zwischen die Finger, steckt die Dose wieder ein, vergißt aber die Prise in die Nase zu stecke». Die leichten Sechspfünder der Preußen können die schwere Batterie der Frauzosen nicht bewältigen; die Reiterei muß, um weniger Verlust zu haben, sich in ein Glied aus einander ziehen. Der Brigade des Prinzen von Mecklenburg gelingt es eben so wenig, sich, in dem Dorfe festzusetzen; sie verliert die Halste ihrer Leute im blutigen Kampfe; fast alle Stabsofficiere sind verwundet oder todt; aber wenigstens die wichtige Ziegelscheune bleibt in ihrem Besitz. Nur noch acht frische Bataillone hat Ivrk. Er ordnet sie zum letzten Angriff. Noch mörderischer wurde jetzt der Kampf; Hunderte von Verwundeten kehrten zugleich -aus den Reihen der fechtenden Bataillone zurück, im Dorfe kämpfte man um jedes einzelne Haus in Haufen von t0—30 Mann, wie man sich zusammenfand. Pardon wnrde nicht gegeben. Uork's beide letzten Bataillone standen schon im Feuer, da stürzt sich, einen glücklichen Moment benutzend, Major v. Sohr mit drei Schwadronen auf den Feind und rennt die ersten Bataillone 'über den Haufen; Dort sendet ihm sogleich die ganze Neservecavallerie nach, er selbst setzt sich an die Spitze der Manischen Dragoner, und die feindliche Infanterie flieht in einzelne Haufen aufgelöst. Eine Coloune von 1200 Garde- mariniers wurde bis auf wenige Mann vernichtet.
Auf dem linken Flügel hatte man unter Hnnerbein nicht minder tapser gekämpft. Viele einzelne Züge heroischer Tapferkeit sind uns hiervon aufbewahrt. Major v. Krvsigk wird im Handgemenge tödtlich verwundet; sterbend winkt er mit dem Degen vorwärts; und da man ihn wegtragen will: „laßt mich; geht und siegt." Er schleppt sich, auf einen Erdhaufen zurück, und verschied da; „wer rückwärts sehe, den hätte die Leiche zurückgedräut!" Lieutenant v. Sollin würgt sich mit Lieutenant v. Favrat und sieben Gemeinen in ein geordnet zurückgehendes Quarre hinein, und holt eiue bespannte Kanone heraus. Lieutenant v. Eber- hardt sinkt von einer Kugel getroffen zu Bodeu, sein über ihn vorstürmendes Bataillon zertritt ihn, aber ehe dasselbe den Feind erreicht, erscheint er mit einer schweren Kopfwunde keuchend vor demselben, und ruft: „Nein, Kinder, ich muß auch mit in'den Feind !"
Marmont zog sich bis Eutritzsch uud Gohlis zurück: sein linker Flügel und sein Centrum waren so gut wie aufgelöst, er hatte 6000 Todte uud Verwundete, 2000 Gesaugeue, ö3 Kanonen eingebüßt; Uork's Corps hatte den Sieg mit dem Drittel seines Bestandes erkauft: von 21,000 Mann waren nur uoch 13,000 Maun übrig; die Russen hatten 1300 Mann verloren. Der Sieg brachte die Verbündeten in Besitz des ganzen Terrains zwischen der Elster und Parthe bis dicht vor die Stadt Leipzig.
Was wir noch über die Helden-Lausbahn Uork's zu sagen haben, gebietet