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Wir waren jetzt, wie die Dichter sich ausdrücken, in der „Königin des Westens", oder wie die Schälke meinen, in der ,,Stadt des Saufleisches." Der Pseudodvctvr brummte, er entdeckte an der Straße, durch die wir unsren Kärrner nach dem Jefferson Hotel folgten, nichts Königliches. Ich aber las an mehr als einem Gebäude, das wir passirten, die Bezeichnung ?orKdou8v, und so nach den ersten Eindrücken soll denn das ehrsame Cincinnati wenigstens für die erste Nacht meines Dortseins, wie jene Schälke es nach seinen kolossalen Schweineschlächtereien getanst, — Porkopvlis heißen.
Sardinische Zustände.
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Wir haben in unsrem ersten Artikel die Verhältnisse des Heeres im Königreich Sardinien besprochen, nnd wollen jetzt versuchen, noch einige Streiflichter ans die übrigen inneren Verhältnisse dieses Landes zu werfen. Ist dasselbe doch gerade in jetziger Zeit in doppelter Hinsicht von besonderer Wichtigkeit. Von allen Staaten Italiens, ja Europas, welche die Ereignisse des Jahres 1848 constitutionell machten, ist Sardinien der einzige, dessen Verfassung mehr als ein Scheinbild geblieben ist, und Tnrin ist neben Brüssel die einzige Stadt ans dem Festland, wo eine wirkliche parlamentarische Negierung besteht. Wie lange sich dieselbe erhalten wird, ist freilich schwer zu prophezeiheu, deun die Zahl nnd die Macht der Feinde, die es von Innen und von Außen bedrohen, ist bedeutend. Das neue System hat aber auch viele uud feste Stützen im Volke selbst, und gerade von deu eifrigsten Gegnern desselben sind einige gegen ihren Willen dessen größte Beförderer geworden.
Der Hanptseind eiüer gedeihlichen uud ausrichtigen Entwickelung des consti- tutionellen Systems im Königreich Sardinien ist in Wien. Man liebt dort, wie bekannt, überhaupt nicht eine constitutionelle Regiernngsfvrm, haßt dieselbe aber doppelt in Sardinien, denn der Vergleich mit diesem glücklichen, in seinem Innern so wohl geordneten Lande kann in deu übrigen italienischen Provinzen, die sich der direeten »5er iudirecten Oberherrschaft Oestreichs zu erfreuen haben, nnr Unzufriedenheit mit den eigenen, und Sehnsucht uach deu Zuständen des Nachbars erwecken. Außerdem ist Sardinien, vermöge seiuer constitntionellen Regierungssorm, der einzige Hort der italienischen Freiheit und Unabhängigkeit, uud daher allen Feinden derselben ein gar gewaltiges Aergerniß, das man auf jegliche Weise vernichten mochte. Am liebsten hätte man nach dem glücklichen Feldzuge von 49, wo Turin deu siegreichen k. k. Heeren offen lag, das ganze
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