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Adelbert von Chamisso.
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Vieles haben ihm schon seine Freunde und Zeitgenossen gegeil seine Methode, poetisch darzustellen, eingewendet, sie haben ihm in's Gesicht gesagt, daß er zu sehr nach Effecten strebe, daß er oftpackende" Wirkungen auf Kosteu der Schönheit suche u. s. w. Manches hat auch die kühle Kritik unsrer Zeit an seinem schönen Talent auszusetzen. Aber das Alles hat ihn nicht verhindert, einer von den auserwählten Lieblingsdichtern unsres Volkes zu werden, denn auch da, wo er gegen die hohen Gesetze der Schönheit, welche er selbst so sehr ehrte uud zu befolgen suchte, verstoßen hat, da, wo falsche Wirkungen nnd eine gewisse Sentimentalität zu bemerken sind, ist die Ursache der Fehler eine Eigenthümlich­keit der Seele, welche der Deutsche am meiste» liebt, weil'sie seinem eigenen Wesen angehört, jenes liebevolle, weiche, leicht erschütterte und über seinen Em­pfindungen träumerisch brüteude Gemüth; dasselbe Gemüth, dessen Regungen unsre europäische Nachbarschaft so lange kritifirt und verlacht, bis sie sich ein­mal in hinreißender Kraft nnd Größe zeigen; dann unterwerfen sie wol die übrige Welt.

Das deutsche Volk hat keine Geschichte, auch das preußische hat keine, die über den großen Churfürsten auf der Spreebrücke hinausgeht; uud doch hat kein Volk mehr als das deutsche daS Bedürfniß, zu lieben und zu verehren. Was Wnndcr, daß bei uns die hellen Gestalten einer jetzt abgeschlosseneu Literaturperivde zu nationalen Helden geworden sind; daß Goethe, Schiller, Uhlaud, Chamisso und ihre Zeitgenossen sür uns noch eine andere Bedeutung haben, als die englischen uud französischen Dichter für ihre Zeitgenossen. Sie sind für unser Leben, was man in blinder alter Zeit Hausgötter oder Schutzpatrone nannte, sind die Freude und der Stolz des Deutschen, in denen er sein eigenes Wesen verschönert nnd .verklärt wiederfindet. Und deshalb sind alle diese Männer in ihrer Wirkung aus die Nation nicht uur zu messen nach dem künstlerischen Werth ihrer Schöpfungen, sondern noch mehr nach der Bedentnng, welche sie ans das Gemüth ihres Volkes ausgeübt haben. Und von diesem Standpunkt ist Adelbert Chamisso einer der bedeutendsten Dichter seit Schiller, nnd einer, dessen gute, liebenswerthe Persön­lichkeit verdient, daß sich ein ganzes Volk ihrer erfreue.

W o ch e n b e r i ch t.

Aus Berlin. 2> November. Wenn ich heute in einer Charakteristik der Wahlen fortfahre und die wahrscheinliche Gestalt der künstigen Kammer in einigen all­gemeinen Umrissen zu zeichnen versuche, so sehe ich schon, daß Viele vornehm übek das kindische Treiben lächeln werden, das mühsam die einzelnen Sandkörnchen zu einem armseligen Häuschen zusammenkehrt, unbekümmert darum, daß es von dem nächsten