I
178
nung und Verbindung der Gruppen, und vortheilhafte Verthcilung von Licht und Schattenmasseu, wenn das Bild uicht monoton und unintcressaut werdeu soll. Dem Allem ist hier bei einem uicht zu verkennenden Streben nach Judividualisi- ruug nicht Genüge geleistet, und wir bleiben kalt.
Ewald in seinem Bilde: (Galilei vertheidigt sein System vor der von Pabst Urban Vlll. eingesetzten Eongregation) befriedigt uns mehr, namentlich in der Hauptfigur. Freilich war auch der Gegenstand günstiger; die Figuren erscheinen hier in unmittelbarerer Beziehung zn einander. Doch das ist des Künstlers Sache. Galilei erscheint hier, wie er mit der Begeisterung der aufrichtigsten Ueberzeugung und mit der Sicherheit der unumstößlichsten Gründe sein System vertheidigt hat und nuu mit der Kühnheit bewußter Ueberlegeuheit die Geguer herausfordert, ihn zu widerlegen'. Es vermag uur die Bornirtheit Etwas zu entgegnen, zu beweisen nichts; es sei denn aus dem Buch Josua. Diese bornirteu Orthodoxen sind die eine Sorte seiner Gegner, die auch räumlich zusammen auf eine Seite gebracht sind. Auf der andern stehen, während Galilei die Mitte des Bildes einnimmt, diejenigen, welche sich noch auf wissenschaftliche Beweise eingelassen und znm Theil nachdenklich und wankend geworden scheinen. Die Gegner sind im Ganzen, wenn sie auch wol ungefähr aussprechen, was sie sollen, doch weniger gelungen, als Galilei selbst; auch merkt man im Arrangement und Bau der Gruppen zu viel Absicht.
Demiurgos.
Ein M y st e r i u m. Leipzig, Brockhaus.
Wir haben mehrfach Gelegenheit gehabt, ans die Versuche neuerer englischer Dichter zurückzukommen, die sich einerseits durch daö Beispiel des deutschen Faust, andererseits durch Shelley's Vorbild verleiten lassen, statt bestimmter Gestalten und bestimmter Ereignisse uebelhafte Abstractionen darzustellen, mit denen sie Himmel und Holle gleichzeitig zu umspannen hoffen. Wir müssen immer wieder von Neuem eine entschiedene Mißbilligung dieser Experimente an den Tag legen. Die Knust kann uur da Etwas leisten, wo sie sich in einen bestimmten Gegenstand vertieft und ihn mit jener warmen Liebe, die nur dem Endlichen zukommt, umfaßt.
Das vorliegende Bnch ist im Wesentlichen, wenigstens seiner Anlage nach, eine Reminiscenz aus dem Faust. Lucifer, der eine Held des Stücks, hat zwar im Anfang die sonderbare Grille, sich in den lieben Gott zu verwandeln, denn