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Wochenbericht
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Wochenbericht.

Berliner' Kunftansstellnng. (Historische Gemälde.) *) Carl Begas. Christi Verrath. Der Gegenstand ist ein nngemein dankbarer. Es ist der erste Moment, in dem das längst Vorbereitete und Erwartete zur Entscheidung kommt. Christi Leiden beginnt, er ist von einem der Seinigen seinen Feinden verrathen; die übrigen Jünger sind menschlich schwach und verlassen ihn, er steht mit seiner Idee allein da und ahnt, daß er für sie den Tod leiden muß; es mußte sich in und um Christi Person alles innere Leben und alle äußere Handlung concentriren daS geschieht in dem Bilde nicht: der Moment ist aus einander gerissen und verliert seine Prägnanz. Wir führen ihn uns in der Geschichte vor. Als Judas die verhängniß- vollcn Worte gesprochen hatte:Gegrüßest seist du, Nabln," da ward der Erlöser gefangen und gebunden (denn dadurch ward erst seine Person erkannt), da schlug Petrus jähzornig dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr ab, und die Jünger flohen. Dies geschieht hier alles nebeneinander ^ Judas küßt Christus, da stehn schon die Kriegsknechte mit einem Strick hinter ihm, um ihn zu binden, da liegt schon Malchus mit abgeschlagnem Ohr am Boden, und die Jünger sind in der lebhaftesten Flucht. Der Moment gewann dadurch an äußerer Bewegung, verlor aber alle Einheit und Würde. Alles, was hier schon geschieht, durste außer Judas verrä- therischcm Kusse erst vorbereitet werden, ein Moment der höchsten Spannung, wo die. von den Priestern rind Schristgelchrten mitgebrachten Kriegsknechtc bereit sind, den Erlöser zu greifen; wo Petrus noch bei ihm steht, um, wenn die Feinde ihn binden werden, mit dem Schwerte drcinzuschlagen; wo die anderen Jünger zaghast und un­schlüssig dastehn. Christus selbst trägt die milde Ergebung in sein Leiden, aber nicht das überlegne Bewußtsein dessen, wofür er leidet, in seinen Zügen. Judas streift nahe an die Caricatur, er ist der an Verbrechen gewöhnte Bösewicht, nicht der durch Geiz und Selbstsucht gefallene, heuchelnde Jünger. Dabei ist die Zeichnung und Malerei meist roh, kurz das Bild ist im Ganzen ein verfehltes.

Christian Köhler. Die Königin Semiramis. bei der Toilette be­schäftigt, wird dabei durch einen in Babylon ausgebrvchcncn Volks­ausstand unterbrochen. Das Bild macht äußerlich einen wohlthuenden Ein­druck, harmonisch gestimmte Farben, wohlgebaute Gruppen, Köpfe, Formen nnd Ver­hältnisse zeigen einen feinen Sinn. Aber es fehlt alle Wärme des Lebens, überall drängt sich uns die Absicht auf, es ist nichts Empfundenes, Alles reflectirt, Semi­ramis selbst ist entschieden großartig beabsichtigt, aber es bleibt dabei, und sie macht hier nur eine imposante Stellung, eben so mehr oder weniger die sie nmgebenden Frauen, die auch zu absichtlich iu eine Gruppe gebaut sind, mir erinnern nur an eine in weißem Gewände, zunächst dem Fenster, welche offenbar nur als eine Seite des Dreiecks figurirt. Dieses rein äußerliche Streben konimt noch in anderer Beziehung unvortheilhaft zur Erscheinung, nämlich in einer gewissen, allgemein idealisirendcn Form, welcher der Kern des Charakters fehlt, und welcher durch eine zu unentschiedene Zcich-

*) Die Leser werden mit uns einverstanden sein, wenn wir mir von den hervorstechendsten Gemälden eine Besprechung bringen. Noch bemerken wir, daß der gegenwärtige Referent ein anderer ist, als der Ref. in den beiden frühern Nummern.