136
keinen stärkern Gegner hat, als die Kirche, die von ihren Ansprüchen noch keinen aufgegeben hat, und da eine vollständige Kenntniß des Gegners als ein halber Sieg zu betrachten ist, so halten wir dieses Werk für eiu ungemein wichtiges und wünschen ihm ein größeres Interesse und eine größere Verbreitung, als sonst mit streng wissenschaftlichen Unternehmungen gewöhnlich verbunden zu sein pflegt.
Roderich Benedix
Der beliebte Lustspieldichter hat sich auf seiner neuesten Rundreise durch Deutschland überall der ehrenvollsten Aufnahme zn erfreuen gehabt. Es ist das ein gutes Zeichen, daß die Theilnahme des deutscheu Volks für seine Dichter, wenn sie ihm irgend gesunde Nahrung geben, doch nicht ausbleibt. Benedix verdient diese Theilnahme in hohem Grade. Er entwickelt in seinen zahlreichen Lustspielen einen unerschöpflichen Fonds von guter Lauue und verständiger Gesinnung; er ist, was doch zum Weseu des Lustspieldichters gehört, sehr productiv: so hat er uoch auf der Reise ein neues vieraktiges Schauspiel: „Mathilde, oder ein Frauenherz," geschrieben, nachdem kurz vorher sein neuestes Lustspiel: „DaS Lügen " eine so günstige Ausnahme gefunden hatte. Endlich bemüht er sich, seinen Stoff und seine sittlichen Anschauungen ans dem wirklichen Leben des deutschen Volks herauszuschöpfen. Das ist zwar eiu sehr schweres Unternehmen, denn die deutsche Gesellschaft hat seit Jffland's Zeiten keine übertriebene Fülle neuer und gesunder Elemente entwickelt; aber es ist ein lobenswerthes und uuerläßliches' Unternehmen, deuu so sehr wir iu formeller Beziehung das Studium der französischen Lustspiele unsren Dichtern empfehlen, von denen der beste von Scribe noch immer uueudlich viel lernen kann, so würden wir es doch sehr bedauern, wenn wir mit dieser Form auch den Inhalt der französischen Sittlichkeit anfnehmen müßten. Es ist das ein Irrthum, iu den unsre Lnstspieldichter sehr häufig verfallen, unter ander» neuerdings Frau Birch-Pseiffer. Sie glauben, wenn sie französische Namen und französische Masken einführen, auch ein eben so gutes Lustspiel zu schreiben, wie die Franzosen. Benedix verfällt in diesen Irrthum nicht, uud er hat Recht daran, denn auch eine echte Komik kann nur aus dem innern Kern unsres wirklichen Lebens hervorgehen, und wenn auch der Stoss widerstrebt, so ist das für ein wirkliches Talent nnr noch ein größerer Sporn, durch kühue Jdealistruug desselben zunächst auf die Bühne und dann auf das Leben zurückzuwirken.
Nachdem wir so die Vorzüge unsres Dichters anerkannt haben, wollen wir uns auch seine Schwächen nicht verhehlen. Zunächst seine nachlässige Komposition.