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Rudolph Gottschall und die deutsche Lyrik.
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Beiläufig bemerken wir noch, daß der Dichter auch selbst in den Momenten der höchsten Leidenschaft uud des höchsten Entsetzens nicht umhin kann, seine retardirenden Vergleiche anzuwenden, z. B.

Wie zögert die Minute hin

Und trägt, ein Pag' der Ewigkeit,

Die Schleppe ihrer Königin u. s. w. Wenn wir uns nun den Gesammteiudruck des Gedichts vorstellen und über­legen, wie es möglich ist, daß ein höchst verständiger und gebildeter Mann, ein höchst begabter und talentvoller Dichter, der immer in einzelnen Spuren zeigt, daß er schön zu empfinden uud lebhaft und kräftig zu schildern versteht, in so unerhörte Absurditäten verfallen kann, so wird man es wohl uns zugeben, daß wir in dem leidenschaftlichen Kampf gegen eine verschrobene Richtung, die eben so alle Kunst wie alle Sittlichkeit depravirt, vollkommen recht haben. Den einzelnen Dichter trifft allerdings immer uur ein Theil der Schuld, denn eine allgemeine Richtung des Denkens und Empfindens ist sehr mächtig; aber ganz freizusprechen ist er doch eben so wenig, wie die Schüler von Hoffmanuswaldau und Lohenstein.

Die Propaganda.

Die Propaganda, ihre Provinzen und ihr Recht. Mit besonderer Rücksicht auf Deutschland dargestellt von Pros. Otto Meyer. Erster Theil. Göttingcn, Dieterich. 1832.

Wir können die Tendenz dieser Schrift nicht besser darstellen, als mit den Worten des Verfassers selbst.

Im Gebiete des Staats- uud Kircheurechtes kommt es wissenschaftlicheu Untersnchuugeu zu, ueben Auskläruug ihres Gegenstandes noch eine höhere Ausgabe zu verfolgen, die ihnen erst Farbe und Weihe giebt.. Ausschließlich von gelehrtem Interesse auch iu solchen Dingen geleitet sein wollen, wäre kaum ein löblicher, gewiß eiu leerer Anspruch. Es sei daher gestattet, Gesinnung und Zweck auch dieser Schrift sogleich z>u bekeuueu.

Wenn ein Protestant über die römische Propaganda schreibt, so kann er nur gegen sie schreiben. Ich habe meine Arbeit begonnen, um von der katholischen Kirche die Seite darzustellen, ans welcher sie, neben Heidenthum uud Schisma, auch den Protestantismus in fester, geschlossener Schlachtordnung bekämpft; habe mich aber dabei nicht lange bloß als Gegner gefühlt. Denn der tiefer dringen­den Forschung konnte das nicht entgehen, daß Rom in seinen Maßregeln gegen die Evangelischen eine heilige Pflicht zu üben und die höchste Wohlthat mit Auf­opferung zu spenden wirklich überzeugt ist. Soviel es daher auch Niedriges und